Volvo C40

Test-Tagebuch: Volvo C40 Recharge

Im Testzeitraum von 14 Tagen fallen uns an einem Auto viele Kleinigkeiten auf. Das Test-Tagebuch fasst diese zusammen. Der Kandidat: Volvo C40 Recharge.

Volvo ist eine Marke, die schön früh auf den elektrischen Antrieb gesetzt hat und die bis zum Jahr 2030 nur noch reine Stromer (BEV) im Angebot haben will. Bis 2025 sollen fünf BEV-Modelle angeboten werden. Ein Schritt in diese Richtung ist der C40 Recharge Pure Electric – da dieser Name etwas sperrig ist beschränken wir uns fortan auf die Bezeichnung C40. Dieser ist übrigens das erste Modell von Volvo, das es ausschließlich als Stromer gibt.

Volvo C40

Das coupéartige Heck des Volvo C40.

Herumgesprochen hat sich ja bereits, dass der C40 ein enger Verwandter des XC40 Recharge ist, also dem Stromer auf der Basis des kompakten SUV. Allein das Heck unterscheidet die beiden Geschwister, denn dieses fällt beim C40 coupéhaft ab; ins Ladeabteil passen immerhin 413 Liter Gepäck und damit nur ein Liter weniger als im XC40. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen wächst der Laderaum auf 1.205 Liter (XC40: 1.328).

Souveränder Antrieb

Bei den inneren Werten indes ähneln sich die beiden sehr, vor allem beim Antrieb. Denn auch der C40 wird zunächst ausschließlich vom 300 kW/408 PS starken Dual-Antrieb mit je einem Motor pro Achse getrieben. Und der lässt es krachen: 4,7 Sekunden braucht der 2,2-Tonner, um aus dem Stand die 100er-Marke zu knacken. Noch beeindruckender fühlt es sich an, wenn er bei 80 km/h auf Fußbefehl loszieht und ansatzlos das zu überholende Fahrzeug im Rückspiegel verkleinert.

Coupé-Heck und Kopfstützen: Im Rückspiegel ist nicht viel zu sehen.

Apropos Rückspiegel: Den könnte man sich auch schenken – der Blick durch das Heckfenster gleicht dem aus einer Schießscharte, viel zu sehen gibt es da nicht – Coupé eben. Nicht übertrieben sportlich ist das Fahrwerk, das vielen Unebenheiten ihre Härten nimmt. Innen geht es auch auf den hinteren Plätzen geräumig zu; Weil die vordere E-Maschine kompakter als ein Verbrennungsmotor ist, befindet sich unter der Fronthaube zudem ein 31-Liter-Staufach (Frunk).

Im Rückspiegel gibt es nicht viel zu sehen

Die Batteriekapazität liegt bei 75 kWh, die Reichweite gibt Volvo mit 440 Kilometer an, doch da der C40 auch mit einem Durchschnittsverbrauch von gut 20 kWh angegeben ist, kann man sich leicht ausrechnen, dass das nicht klappen wird. So stehen denn auf dem Bordcomputer unseres Testwagens nach der Vollladung gerade mal 320 Kilometer – trotz sommerlicher Temperaturen. Wir werden sehen.

16.05.2022: Immerhin: Die angegebene Reichweite stimmt, wie wir nach einem Trip von Frankfurt nach Würzburg (und zurück) erfahren durften. Auf jener Fahrt zeigte sich der C40 von seiner komfortablen Seite: Das Fahrwerk ist eindeutig auf Komfort ausgerüstet, eine Änderung der Fahrwerkseinstellungen ist bei unserem Testwagen nicht möglich. Wir stellten aber schon nach einigen Kilometern auf der Autobahn fest, dass die Frontklappe vorne rechts leicht flatterte und fuhren auf den nächsten Parkplatz zur Kontrolle. Und siehe da: Nach einem etwas festeren Druck beim Schließen der Klappe – unter der sich ja der 31 Liter große Frunk verbirgt – war das Flattern verschwunden.

Ansonsten ist der C40 ein schönes Reiseauto, auch wenn der Spurhalteassistent sich nach unserem Geschmack ein wenig zu sehr an der rechten Spurbegrenzung orientiert. Navigiert wird über Google, was doch einiges erleichtert. Nett ist, dass der Bordrechner schon beim Start anzeigt, wie viel Restladung der Akku am Ziel noch aufweisen wird – eine Angabe, auf die man sich verlassen kann.

Der Verbrauch pendelte sich auf der Strecke (natürlich fast nur Autobahn) bei Tempi von 120/130 km/h auf 23,3 kWh auf 100 Kilometer ein. Womit man durchaus leben kann. Jetzt geht´s zum Laden an die HPC-Säule, wir sind gespannt.

18.05.2022: Wir waren laden an unserem 300-kW-HPC-Charger. Auch wenn es bei den derzeitigen vorsommerlichen Temperaturen vielleicht nicht mehr nötig ist haben wir das Ziel ins Navi eingegeben, um den Akku vorzuwärmen. Dementsprechend stieg die Ladekurve flugs auf die versprochenen 150 kW Ladeleistung, bevor sie nach etwa fünf Minuten ihren beständigen und gleichmäßigen Sinkflug begann – siehe Chart. Begonnen haben wir bei 14 Prozent Restladung, und es dauerte 36 Minuten, bis die Anzeige einen Ladestand von 80 Prozent anzeigte. Jenseits der 80 Prozent Restladung sank die Ladeleistung gleichmäßig weiter – Zeit für die Weiterreise.

Die nach der ersten Vollladung angezeigte Reichweite von 330 Kilometern hat der C40 übrigens geschafft, auf die Reichweitenanzeige – im Display auch in Prozent (SoC) – ist also Verlass. Die wichtigsten Daten werden auf dem Display hinter dem Lenkrad eingeblendet, sobald jemand auf dem Fahrersitz Platz nimmt.

21.05.2022: Der Sprachassistent macht wohl Urlaub. Seit einigen Tagen reagiert er nicht mehr auf unsere Bitten auf Navigation und was wir sonst so gerne möchten. Er nimmt den Befehl zwar auf (man sieht das, weil er auf dem Monitor mitschreibt), meldet sich dann aber flugs mit einem Klingelton ab. Ein Booten des Systems ist nicht so einfach, da ein Ein-/Aus-Schalter fehlt, und in den Tiefen des Systems haben wir keine Bootfunktion entdeckt. Im Moment sind wir ratlos. Ergo wird alles per Tatstatur eingegeben, was ja auch kein Problem ist.

Auf einer zweiten längeren Tour mit Ladestopp hat sich die oben gezeigte Ladekurve bestätigt. Der Volvo C40 entpuppte sich einmal mehr als kommoder Reisewagen mit gemütlichen Sitzen, guter Belüftung und einem verlässlichen adaptiven Tempomaten, der schnell auf die Fahrspur einscherende Pkw reagiert und abbremst. Allein die Sitzposition ist ein wenig hoch, ich (1,90 cm) würde mir wünschen, dass er noch ein paar Zentimeter weiter nach unten zu fahren wäre.

Bei einer Sitzprobe auf den Rücksitzen ist uns der Kardantunnel aufgefallen. Ein Relikt aus ferner Verbrennerwelt ist Bestandteil der CMA-Plattform (Compact Module Architecture), die von Volvo und Mutterkonzern Geely entwickelt wurde und die lediglich in der Distanz zwischen der vorderen Radnabe und den Pedalen fixiert ist. Sie erlaubt neben rein elektrischen Antrieben eben auch noch konventionelle Antriebsstränge.

24.05.2022: Was bei den Autos der neuesten Generation oft untergeht sind die Bemühungen der Hersteller, bei den Materialien und der Produktion der Fahrzeuge umweltfreundlicher zu werden. So auch bei Volvo: Der C40 Recharge ist als erstes Modell der Marke komplett lederfrei (auch das Lenkrad). Ob Sitzpolster, Türverkleidungen, Lenkrad, Schalthebel oder Fußmatten: bei allen Innenraumkomponenten werden hochwertige – zum Teil recycelte – synthetische Materialien verwendet.

In unserem Testwagen ist eine Polsterung in Textil/Microtech verbaut – und man muss schon genau hinschauen und fühlen, um den Unterschied zu üblichen Materialien zu bemerken. Beim Lenkrad etwa ist uns das nicht aufgefallen. Die Teppiche werden aus recycelten PET-Plastikflaschen hergestellt: Pro Fahrzeug werden 71 gebrauchte Ein-Liter-Flaschen wiederverwertet. Auch der Dachhimmel besteht zu einem großen Teil aus wiederverwendetem Material.

Das ist durchaus lobenswert – ob das Material auch so widerstandsfähig ist wie die etablierten Materialien zeigt sich freilich erst nach einigen Jahren. Der Vollständigkeit halber wollen wir noch nachtragen, dass der C40 Recharge 1.800/750 kg (gebremst/ungebremst) an den Haken nehmen darf. Die Stützlast beträgt 90 kg.

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