Versicherer chinesische Marken

Versicherer schließt chinesische Marken aus

Der niederländische Versicherer Univé schließt zahlreiche chinesische Automarken aus – Signal für ganz Europa?

Der niederländische Versicherer Univé nimmt für eine ganze Reihe chinesischer Fahrzeugmarken keine Neukunden mehr an oder beschränkt den Schutz auf die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflicht. Das berichtet das französische Fachmagazin „L’Automobile Magazine“. Als Grund nennt der Versicherer Unsicherheiten bei der Schadenregulierung – ein Problem, das perspektivisch auch deutsche Anbieter beschäftigen dürfte.

Univé begründet den Schritt vor allem mit der noch dünnen Infrastruktur vieler chinesischer Hersteller in Europa. Fehlen Ersatzteile, technischer Support und ein ausreichend dichtes Werkstattnetz, können bereits kleinere Unfallschäden zu langen Standzeiten und unkalkulierbaren Folgekosten führen – etwa durch Mietwagenkosten während der Reparaturdauer oder durch aus Fernost importierte Ersatzteile.

Diese Marken sind betroffen

Vom vollständigen Ausschluss im Neugeschäft betroffen sind laut Bericht die chinesischen Marken Hongqi, Changan, Voyah, Leapmotor, Jaecoo, MHero und Omoda. Ebenfalls keine neuen Verträge schließt Univé demnach für Fahrzeuge des vietnamesischen Herstellers Vinfast und der südkoreanischen Marke KGM ab.

Versicherer chinesische Marken
Die Marke Lucid wird weiterhin bei Univé versichert. Foto: Lucid.

Für Modelle von Dongfeng, Nio, Firefly und Zeekr sowie des US-amerikanischen Herstellers Lucid bietet der Versicherer weiterhin Schutz an – allerdings nur noch die Haftpflichtversicherung. Eine Absicherung von Schäden am eigenen Fahrzeug über Teil- oder Vollkasko ist für diese Marken nicht mehr möglich.

Nicht betroffen sind hingegen die chinesischen Marken BYD und MG. Beide hätten ihr Händler- und Servicenetz in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut, heißt es zur Begründung. Bestehende Verträge für alle genannten Marken sollen unverändert weiterlaufen; der Schritt betrifft ausschließlich das Neugeschäft.

Deutschland beobachtet die Entwicklung

Deutschlands größter Autoversicherer, die HUK-Coburg, sieht nach eigenen Angaben derzeit keinen Anlass, dem niederländischen Vorbild zu folgen. Der Markt werde aber genau beobachtet. Beobachter werten den Univé-Schritt als mögliches Signal für die gesamte europäische Versicherungsbranche, da auch andere Marktneulinge mit schwacher Service-Infrastruktur betroffen sein könnten.

Ganz neu ist das Grundproblem hierzulande allerdings nicht: In einem Vergleich von „Auto Bild“ und dem Vergleichsportal Verivox aus dem Jahr 2025 waren acht von elf untersuchten chinesischen Fahrzeugen teurer versichert als vergleichbare europäische oder andere asiatische Modelle. Ausschlaggebend sind vor allem die sogenannten Typklassen, die sich nach Schadenhäufigkeit und Reparaturkosten richten. Fehlende Ersatzteile, lange Lieferwege und zusätzliche Kosten für Ersatzfahrzeuge treiben diese Einstufung – und damit die Prämien – in die Höhe. Titelfoto: Mag

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