Der Volvo EX30 Cross Country ist das Spitzenmodell der Baureihe. Er hat nicht nur Allrad, sondern auch viel Power. Das will bezahlt werden. Fahrbericht.
In Schweden kann es, anders als hierzulande, schon einmal über Stock und Stein gehen – etwa beim regelmäßigen Trip zur Ferienhütte am See. Auch die Winter fallen deutlich härter aus als im gemäßigten Deutschland; dauerglatte Straßen sind im hohen Norden keine Seltenheit. Um so sinnvoller ist der Einsatz eines Pkws mit Allradantrieb, und umso logischer ist es, dass Volvo – das sich noch als schwedische Marke begreift – einen Allrad-Ableger seines kompakten EX30 auf die Räder gestellt hat: den Cross Country.

Gleichzeitig ist der CC das Topmodell der Baureihe, bringt mit zwei Motoren insgesamt 315 kW (428 PS) auf die Straße und bietet eine um 19 Millimeter erhöhte Bodenfreiheit. Vorne wie hinten arbeitet je ein Permanentsynchronmotor (PSM), wobei der vordere eine Leistung von 115 kW sowie ein Drehmoment von 200 Newtonmeter, der hintere eine Leistung von 200 kW sowie ein Drehmoment von 343 Nm bereitstellt. Zudem gibt es einen Unterfahrschutz vorne und hinten.
Die 69-kWh-Batterie (netto 65 kWh) im Boden bietet in der Allradversion normalerweise bis zu 450 km Reichweite. Doch aufgrund der größeren Reifen und 19 Millimeter mehr bei der Höhe, verliert man ein paar Kilometer. Der WLTP-Wert liegt bei 427 km. Nachgeladen wird am Schnelllader mit 153 kW in der Spitze. Von 10 bis 80 Prozent dauert die Ladepause 26 Minuten – dazu später mehr. Soweit die nackten Daten des Herstellers.
Volvo EX30 CC: Jede Menge Power

Werfen wir einen Blick in/auf den EX30 CC. Innen geht es schwedisch-kühl zu, es herrscht die derzeit trendende Reduktion vor; Schalter und Tasten gibt es kaum noch, alles wird über den senkrechten Touchscreen in der Mitte bedient. Wir haben davon bereits im Fahrbericht zum EX30 mit Single Motor berichtet, den man hier nachlesen kann.
Wir wollen uns also nicht weiter mit bereits Gesagtem befassen und wenden uns lieber den Besonderheiten des EX30 CC zu. Wobei vor allem dessen Kraft besticht. Denn der CC besitzt Power im Überfluss: Die 315 kW der beiden Motoren setzen – vom Allradantrieb wirkungsvoll in Szene gesetzt – enorme Kräfte frei und treiben den EX30 in 3,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Danach geht es munter weiter, bis bei 180 km/h das bekannte Volvo-Limit greift. Akustisch bleibt der EX30 CC dabei wohltuend zurückhaltend. Für Umwelt und Komfort ist das jedenfalls eindeutig von Vorteil.
Allzu oft sollte man sich dem Beschleunigungsrausch nicht hingeben, denn der 65-kWh-Akku leert sich besonders in dieser Jahreszeit recht schnell. Im Datenblatt vermerkt ist ein WLTP-Durchschnittsverbrauch von 18,7 kWh je 100 Kilometer sowie eine Reichweite von 417 Kilometer. Beides ist im Winter kaum zu erreichen. So wies der Bordcomputer bei Vollladung eine maximale Reichweite von lediglich 328 Kilometer aus; beim Ladestopp mit 15 Prozent Restenergie waren wir 220 Kilometer weit gekommen, wobei die Temperaturen um den Nullpunkt oder darunter rangierten.
Ladeleistung im Schnitt bei 72,5 kW

Und bei diesen Bedingungen tut sich auch die Akku-Vorkonditionierung schwer. Nach einer Fahrt von einer halben Stunde sowie der Eingabe des Ladepunktes, die die Vorheizung aktiviert, schaffte es der EX30 CC nicht über 115 kW hinaus (siehe Chart). Die durchschnittliche Ladeleistung lag bei 72,5 kW; letztlich dauert die Ladung von 15 auf 80 Prozent SoC 35 Minuten, was aber noch im Rahmen liegt. An AC-Quelle zieht er mit 11 kW.
Auch beim Verbrauch muss man Abstriche machen. So bilanzierten wir unsere Testfahrten letztlich mit einem Verbrauch von 24,5 kWh, worin auch kürzere Strecken involviert waren, was ja gerade im Winter wegen der Heizung auf Kosten des Verbrauchs geht. Die Testrunde über 100 Kilometer absolvierten wir bei einer Temperatur von 7 Grad über Null mit 22,2 kWh.
Immerhin: Bei Warntönen hält sich der EX30 vornehm zurück; das Abschalten des EU-Klingelns lässt sich auf eine Taste am Lenkrad legen. Lediglich der Aufmerksamkeits-Assistent meldete sich regelmäßig, wenn man das Lenkrad so weit einschlägt, dass das Lenkrad den Sensor abdeckt, etwa auf Autobahn-Auf- oder -abfahrten.
Ansonsten sei erwähnt, dass es im EX30 im Fond und im Laderaum recht eng zugeht. Die Lehnen der Vordersitze rücken den Passagieren recht nah, und auch das Gepäckabteil fällt mit 318 bis 1.000 Litern eher bescheiden aus. Die Anhängelast beträgt aber immerhin 1.600 kg (gebremst) und 750 kg (ungebremst).
Viel Fahrspaß, hoher Preis

Wäre da noch der Blick auf den Preis und die Kosten. Dem Fahrspaß steht ein stolzer Einstiegspreis von 57.300 Euro gegenüber; unser Testwagen mit Aufpreisen für Farbe, abgedunkelte Fenster und edlerem Interieur kostet schließlich 58.940 Euro brutto. Der ADAC berechnet die Betriebskosten mit 81,6 Cent je Kilometer (5 Jahre/75.000 Kilometer) oder 1.019 Euro im Monat.
Dieses Preisniveau ist bei der Cross-Country-Version unvermeidlich, da sie ausschließlich als allradgetriebene Topvariante angeboten wird. Zwar gilt der EX30 als elektrisches Einstiegsmodell von Volvo, doch die günstigere Basisversion mit Heckantrieb und kleiner Batterie ab 38.500 Euro ist nicht im rustikaleren CC-Trimm erhältlich.
Fazit: Der EX30 CC ist ein Stromer für Fans satter Beschleunigung und guten Grip dank Allradantrieb. Oder für jene, die des öfteren unwegsames Gelände meistern müssen. Die Vorzüge gehen allerdings einher mit einem höheren Verbrauch und einem hohen Preis beziehungsweise Betriebskosten.
Volvo EX30 Cross Country – Technische Daten:
Fünftürige, fünfsitziges SUV mit Allradantrieb; Länge: 4,23 Meter Breite: 1,84 Meter (mit Seitenspiegeln 2,04 m), Höhe: 1,57 Meter, Radstand: 2,65 Meter, Kofferraumvolumen: 318 – 1.000 Liter, Frunk: 7 Liter, Anhängelast (gebremst/ungebremst): 1.600 kg/750 kg, Stützlast: 100 kg, Dachlast: 75 kg.
Zwei Permanentmagnetsynchronmotoren (PSM), Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit 69 kWh brutto (netto 65 kWh), Leistung: vorne 115 kW (156 PS), hinten 200 kW/272 PS, gesamt 315 kW (428 PS); Drehmoment gesamt: 543 Nm, 0-100 km/h: 3,7 s, Vmax: 180 km/h (abgeregelt), WLTP-Verbrauch: 18,7 kWh/100 km, Reichweite: 427 km (WLTP).
Messwerte (Winter): Max. Ladeleistung AC: 11 kW, DC: max. 115 kW, Ladezeit von 15 auf 80 % SoC: 35 Minuten, durchschnittliche Ladeleistung: 72,5 kW, Testverbrauch (Winter): 24,5 kWh, Testrunde (100 km): 22,2 kWh, Reichweite (Winter): ca. 240 km.
Preis: 57.290 Euro, Testwagenpreis: 58.940 Euro.

Jede Menge Power
Gute Traktion
Wenig Klingeltöne
Wertiger Innenraum

Kaum Tasten und Schalter
Im Fond recht eng
Wenig Laderaum (Laden)


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