Lynk & Co 02

Lynk & Co 02: Der mit der Schlaufe

Der Lynk & Co 02 bietet viel Auto für einen attraktiven Preis. Wir haben ihn uns genauer angesehen und ziehen Bilanz – der abschließende Fahrbericht.

Die Marke Lynk & Co ist im Straßenbild (noch) nicht allzu verbreitet. Man kennt sie allenfalls durch den Vertreter mit dem einfachen Modellnamen 01, ein Plug-in-Hybrid der Kleinwagenklasse. Seit dem Jahresende ist auch der 02 auf deutschen Straßen unterwegs, ein reines Elektroauto. Zudem bietet die chinesische Marke, die zum Geely-Konzern gehört, den Van 08 an, ebenfalls ein PHEV.

Für unseren Test haben wir uns den 02 geschnappt und uns mit ihm vertraut gemacht beziehungsweise ihn vermessen (siehe auch das Test-Tagebuch). Der 02 zählt zu den Kompakten und ist kein SUV, sondern vielmehr ein Crossover mit einem coupéartig geformten Heck. Er ist insgesamt schön anzuschauen, und seine Leistungsdaten klingen auch attraktiv.

Lynk & Co 02
Auch das Heck des Lynk & Co 02 macht eine gute Figur. Foto: Mag

Der Fünftürer bietet einen 200 kW/272 PS starken Hinterradantrieb in Kombination mit einer 66 kWh großen NMC-Batterie. Die Reichweite wird mit 445 Kilometer angegeben. Die maximale Ladeleistung mit Gleichstrom gibt die Geely-Tochter mit 150 kW an, was eine Aufladung von 10 auf 80 Prozent in 30 Minuten ermöglichen soll. In der von uns gefahrenen Topausstattung More zieht er an AC-Quellen serienmäßig 22 kW. Den Verbrauch gibt der Hersteller mit 17,1 kWh je 100 Kilometer an.

Lynk & Co 02: Bedienung nur per Zentraldisplay

Der erste Eindruck ist also durchaus positiv. Das Design kann gefallen, und im Innenraum herrscht eine angenehme Atmosphäre mit zumeist wertigen Materialien und guter Verarbeitung. Lediglich der Mitteltunnel mit der großen Box zwischen den Sitzen besteht aus einfachem Plastik. Auf einen Starterknopf verzichtet der 02, diese Aufgabe erledigt der mit Lederimitat bezogene Sitz.

Lynk & Co 02
Die Bedienung erfolgt ausschließlich über den zentralen Monitor.

Die Bedienung folgt nahezu ausschließlich über den Monitor in der Mitte, lediglich die Außenspiegel lassen sich von der Armauflage aus verstellen. Physische Tasten oder Schalter finden sich nicht, auch nicht für die Lautstärke. Glücklicherweise findet sich aber ein Pull-Down-Menü mit den wichtigsten Funktionen. Und vor jeder Fahrt lohnt es sich auch, dieses zu bemühen. Denn dort finden sich die Kacheln für das Abschalten des Tempowarners sowie des Aufmerksamkeitsassistenten. Zudem rät es sich, das Piepsen beim Wechsel der Tempolimits abzuschalten. Leider lassen sich diese Funktionen nicht auf eine einzige Taste legen.

Dennoch lässt sich feststellen: Die Bedienung ausschließlich über den Touchscreen lenkt zu sehr vom Verkehrsgeschehen ab. Der Sprachassistent zeigte zwar ein gutes Verständnis der gesprochenen Worte – etwa bei der Adressangabe -, bei Anweisungen für die Bedienung konnte er aber nur selten weiterhelfen.

Mit einer Länge von 4,46 Metern reiht sich der Lynk & Co 02 in die kompakte Klasse ein, wiewohl er rein optisch größer erscheint. Dennoch hat man auch wegen des Panoramadachs ein sehr schönes Raumgefühl; Platz gibt es sowohl vorne als auch im Fond genug, um entspannt reisen zu können. Die Sitze bieten elektrische Verstellung und eine Memory-Funktion, was nicht verwundert, war die eigentliche Geschäftsidee der Marke doch, nicht nur Autos anzubieten, sondern Mobilitätslösungen, sprich Carsharing.

Die Sache mit der Schlaufe

Lynk & Co 02
Per Zug an der Schlaufe kann man die Sharing-App starten. Foto: Mag

Diesem Gedanken dient auch die große und mit einem Fragezeichen versehene Schlaufe an der Stelle, wo normalerweise der Starterknopf sitzt. Zieht man an ihr, öffnet sich auf dem Display die Carsharing-App des 02. Da gleichzeitig ein Widget auf dem Homescreen auf diese Funktion hinweist, scheint die Schlaufe obsolet. Nun ja.

Unter der Haube findet sich ein 15 Liter großer Frunk, der ein Ladekabel aufnehmen kann. Im Heck kann man 410 bis 1.349 Liter Ladegut unterbringen – auf einer ebenen Fläche. Unter dem Ladeboden findet sich noch Platz für Kleinkram oder flache Gegenstände.

Was uns auf unseren (teilweise längeren) Touren am meisten gestört hat, ist die fehlende Lordosenstütze für die ansonsten gar nicht so schlechten Sitze; so mahnt der Rücken schneller eine (Lade-)Pause an als der Füllstand des Akkus.

Verbrauch: 20,04 kWh inklusive Ladeverlusten

Lynk & Co 02
Der Laderaum fast bis zu 1.349 Liter und bietet eine ebene Fläche. Foto: Mag

Womit wir zu den technischen Details kommen. Laut Datenblatt soll der WLTP-Verbrauch bei 17,1 kWh je 100 Kilometer liegen. Wie wir wissen, hängt das auch von der Außentemperatur ab. Auf unserer Testrunde waren wir bei 11 Grad unterwegs und kamen auf einen Schnitt von 17,8 kWh, was sich durchaus sehen lassen kann. Letztendlich konsumierte der 02 auf einer Autobahnfahrt bei 125 km/h laut Bordcomputer 18,9 kWh je 100 Kilometer; insgesamt kamen wir im Testzeitraum auf einen Verbrauch von 20,04 kWh inklusive Ladeverlusten. Darin enthalten sind freilich auch einige Kurzstrecken. In der Stadt ist ein Verbrauch von unter 15 kWh möglich.

Auf dem Weg zu unserer EnBW-Säule fiel auf, dass der Routenplaner nicht über eine Ladeplanung verfügt. Zwar taucht während der Eingabe des Ziels ein Icon auf, das eine Planung verspricht, doch dann passiert nichts. Angezeigt wird lediglich der Akkustand bei Erreichen des Ziels.

So wurde uns zu unserer Fahrt zur Säule ein Ladestand von 13 Prozent SoC vorausgesagt; wir kamen nach 30 Minuten Fahrt mit 14 Prozent an. Die Temperatur lag bei 18 Grad. Die Ladedose liegt hinten an der Fahrerseite, was wir immer recht unpraktisch finden, da man beim Laden am Straßenrand das Kabel über das Auto heben – oder eben gegen die Fahrtrichtung parken muss.

Lynk & Co 02
Die Ladekurve des Lynk & Co 02. Foto: Mag

Am HPC-Lader ist das nicht von Belang. Vielmehr erwies sich, dass die Akkukonditionierung sich auf der Fahrt nicht aktiviert hatte, so dass die Ladekurve nur langsam geklettert war und dann bei 129 kW ihr Optimum erreicht hatte. Warum die Klimatisierung nicht aktiviert wurde, blieb uns ein Rätsel; per Tastendruck kann man sie nicht einschalten.

Laden: in 32 Minuten von 15 auf 80 Prozent

Obwohl die Ladeleistung das vorgegebene Maximum von 150 kW nicht erreicht hatte, gelang die Ladung von 15 auf 80 Prozent SoC in 32 Minuten. Das ist okay. Die durchschnittliche Ladeleistung lag bei 83,9 kW.

Kommen wir zum Preis. Wir fuhren den 02 in der höheren Ausstattungsversion More. Die Basis namens Core (36.000 Euro) bietet bereits Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Panorama-Sonnendach, Metallic-Lackierung, Sitzheizung vorn, Abstandstempomat, Rückfahrkamera sowie ein Infotainmentsystem mit 15,4-Zoll-Touchscreen, Konnektivität und Navigation.

Lynk & Co 02
Der Frunk fasst 15 Liter – genug für das Ladekabel. Foto: Mag

4.000 Euro Aufpreis kostet die Ausstattung More, die zusätzlich elektrisch verstellbare Vordersitze, den 22-kW-Lader, Lenkradheizung, Kunstleder-Sitzbezüge, eine Selfie-Kamera und eine Wärmepumpe für mehr Reichweite bietet. Vor allem wegen der Wärmepumpe sollte man sich diese Version leisten.

Auch bei den vier Farben hat man ohne Aufpreis eine Wahl; Zusatzkosten verursachen nur eine Anhängekupplung für 1.274 Euro sowie diverse Ladekabel und Winterräder. An den Haken nehmen darf der Lynk & Co 1.600 kg gebremst und 750 kg ungebremst. Die Dachlast beträgt 75 kg, eine Stützlast wird nicht genannt. Leider hat der ADAC die Betriebskosten (TCO) des 02 noch nicht berechnet.

Vier Jahre Fahrzeuggarantie

In Deutschland verfügt die Marke aktuell über 23 bestätigte Handelspartner, von denen 20 bereits kommerziell aktiv sind. Ziel für dieses Jahr ist es, das Netzwerk auf 34 Handelspartner bundesweit auszubauen. Im Bereich Aftersales zählt Lynk & Co derzeit 88 Servicepunkte; bis Ende des Jahres möchte man diese auf 90 erhöhen.

Wichtig auch zu wissen: Die Fahrzeuggarantie beträgt 4 Jahre oder 120.000 Kilometer, die für die Batterie 8 Jahre oder 160.000 Kilometer.

Fazit: Der Lynk &Co 02 ist ein attraktives Angebot, bietet für 40.000 Euro viel Platz und vieles von dem, was man ansonsten nur gegen Aufpreis bekommt. An diversen Stellen sollte man aber noch einmal Hand anlegen, etwa bei den Sitzen (Lordosenstütze) oder der Ladeplanung. Dass die Assistenten in Autos chinesischer Provenienz etwas nervös sind, weiss man ja inzwischen. Da macht auch der Lynk &Co 02 keine Ausnahme.

Hier finden Sie das Test-Tagebuch zum Lynk & Co 02.

Lynk & Co 02 More – Technische Daten:

Fünftüriges, fünfsitziger Crossover der Kompaktklasse; Länge: 4,46 Meter, Breite: 1,85 Meter (mit Außenspiegel: 2,04 Meter), Höhe: 1,57 Meter, Radstand: 2,76 Meter, Kofferraumvolumen: 411 – 1.349 Liter, Frunk 15 Liter.

Anhängelast: 1.600/750 kg (gebremst/ungebremst), Dachlast 75 kg, Stützlast k.A.

Elektromotor mit 200 kW/272 PS, Drehmoment: 323 Nm, Hinterradantrieb, 0-100 km/h: 5,5 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch (WLTP): 17,1 kWh/100 km, Akkugröße: 66 kWh (nutzbar k.A.), Reichweite: 445 km (WLTP), Ladeleistung: 22 kW (AC)/150 kW (DC), Ladedauer AC: 10-80 % in ca. 4 Std.; DC: 10-80 % in 30 Minuten.

Messwerte: Max. Ladeleistung AC: 22 kW, DC: max. 122 kW, Ladezeit von 15 auf 80 % SoC: 32 Minuten, durchschnittliche Ladeleistung: 83,9 kW, Testverbrauch: 20,04 kWh, Testrunde (100 km): 17,8 kWh, Autobahn (125 km/h) 18,9 kWh, Reichweite: ca. 300 km.

Preis: 40.000 Euro, Kosten je Km (ADAC): k.A., Kosten je Monat (ADAC): k.A.

Mängel am Testwagen: keine.

Günstig

Kräftig

Gute Raumverhältnisse

Guter Verbrauch

Gut ausgestattet

22-kW-AC-Lader

Bedienung nur über Monitor

Keine Lordosenstütze

Keine Ladeplanung

Nervöse Assistenten

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