Renault Nachhaltigkeit

Renault: Mit Nachhaltigkeit zum Erfolg

Renault bekennt sich zur Nachhaltigkeit im Automobilbau – und hat schon einiges dafür getan. Die Lage sei aber „herausfordernd“.

Rund eine Milliarde Euro investiert Renault nach eigenen Angaben seit 2021 pro Jahr in das Ziel, die Autoproduktion des Konzerns klimaneutral zu machen. Grund genug, nach fünf Jahren ein Zwischenfazit zu ziehen. Für Philippe Brunet, Technikchef bei Renault, trotz aller Hindernisse ein durchaus positives. Es bedürfe angesichts der volatilen Märkte, der politischen Wirrungen und der – mit Blick auf China – problematischen Konkurrenzsituation eines langen Atems und viel Disziplin, so Brunet. Bis 2040 will Renault in Europa, bis 2050 weltweit das Null-Emissions-Ziel erreichen.

Nachhaltigkeit fördert Wachstum, Umsatz und Gewinn; mehr noch: Ressourcenschonung und Klimaneutralität machen das künftige Autogeschäft erst möglich. Diese deutlichen Töne sind recht neu aus Paris. Cléa Martinet, Direktorin für Nachhaltigkeitsentwicklung im Konzern, unterstreicht die Bedeutung ihres Kernthemas nicht nur für die Welt, sondern auch für ihr Unternehmen. Sie skizziert die Lage der Autoindustrie als „herausfordernd”, aber nicht hoffnungslos.

Noch nie habe es so viele Probleme zur gleichen Zeit gegeben: weltweite Krisen, die Kaufzurückhaltung besonders in Europa, die Transformation zum E-Antrieb, um zukunftsfähig zu werden, die Unentschlossenheit der europäischen Politik sowie die unfaire Konkurrenz aus China, die dank staatlicher Förderung deutlich weniger Geld je gebautem Auto investieren müsse als die europäischen Hersteller. Zu alledem komme die erratische Zollpolitik eines Donald Trump.

Größter europäischer Hersteller von E-Pkw

Renault Nachhaltigkeit
Renault setzt auf Nachhaltigkeit. Fotos: Renault

Hoffnung schöpft Martinet – selbstverständlich – aus den Entwicklungen im eigenen Haus. Die vor fünf Jahren aufgesetzte Nachhaltigkeitsstrategie zeige Wirkung: Bereits heute sei Renault der größte europäische Hersteller von Elektro-Pkw, eine Position, die man in Boulogne-Billancourt gerne möglichst lange behalten möchte.

Möglich gemacht wurde dies, so Martinet, vor allem durch die Ausdauer, mit der die Elektroziele im Konzern verfolgt würden: Bereits 2012 kam der Zoe als erschwinglicher Kleinwagen auf den Markt, in den letzten eineinhalb Jahren feierten die Nachfolger Premiere – die neuen Elektrofahrzeuge Twingo, R5 und R4.

Martinet warnt allerdings davor, sich bei der Elektromobilität in ähnliche Abhängigkeiten zu verstricken wie bei den Verbrennern. Resilienz entstehe vor allem durch die Nutzung von recycelten Materialien, durch geschlossene Systemkreisläufe sowie durch den Verzicht auf Ausgangsstoffe, die die Produktion abhängig mache von vielerlei Unwägbarkeiten. Auch in diesem Bereich habe Renault Pionierarbeit geleistet: Die E-Motoren des Konzerns benötigten etwa keine Seltenen Erden mehr.

Im Plan: Reichweiten bis zu 750 Kilometer

Weitere Beispiele für die Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes bei Renault sind in der Forschungs- und Entwicklungszentrale „Futurama” in Guyancourt bei Paris zu besichtigen. Nach und nach finden die hier entwickelten Visionen ihren konkreten Niederschlag in produzierten Automodellen. Etwa die neue RGEV 2.0-Plattform, auf der der kommende Scénic (Titelfoto) stehen wird. Sie bietet mehr Platz für die Batterie und eine maximale WLTP-Reichweite mit derzeitiger Batterietechnik von bis zu 750 Kilometer sowie ausreichend Raum für E-Motoren oder auch für die Kombination mit einem Verbrenner (als Range-Extender). Nach den Vorstellungen der Renault-Verantwortlichen wächst der Hybridmarkt nach wie vor sehr stark, allerdings hauptsächlich außerhalb Europas. Der Fokus von Renault für diesen Antrieb liegt in Indien und Südamerika.

Zur angepeilten Batterie der vollelektrischen Variante gibt Renault noch wenig preis. Wichtiger als Ladegeschwindigkeit oder Maximalkapazität sei aber auf jeden Fall der Preis. Der kommende Scénic tauge gleichwohl als Paradebeispiel, wie die Nachhaltigkeitsbestrebungen des Konzerns in der Praxis umgesetzt werden, meint Projektleiter Julien Poirier: Mehr als 25 Prozent des gesamten Autos sind aus recycelten Materialien hergestellt, es stößt 40 Prozent weniger CO2 aus als das dieselmotorisierte Pendant, es wiegt deutlich weniger als zwei Tonnen und wird zu 85 Prozent von europäischen Zulieferern ausgestattet. Hinzu komme eine erhebliche gesteigerte Effizienz nicht nur im Betrieb, sondern auch bei der Entsorgung.

Die KI findet ihren Weg an die Bänder

Und ein weiteres Ziel nehmen die Franzosen ins Visier: die Sicherheit. Renaults „Vision Zero” ist, die Zahl der jährlichen Verkehrstoten von 19.800 auf null zu bringen. Mit dazu beitragen sollen zahlreiche Assistenzsysteme, die nach und nach in der gesamten Modellpalette Einzug halten sollen. Als besonderes Gimmick präsentiert der Hersteller im künftigen Scénic einen Schnell-Alkoholtest per Knopfdruck. Nach dem Genuss etwa von einigen Gläsern Wein gibt das Auto rotes Licht und ein Warnsignal aus. Ob die Warnung beherzigt wird, entscheiden die potenziell Fahrenden selbst und ob die Daten zur späteren Beweissicherung auch ausgelesen werden können, bleibt vorerst unklar.

Klar ist dagegen, dass die Künstliche Intelligenz mehr und mehr ihren Weg auch an die Produktionsbänder der Autoindustrie findet. Bei Renault tut sie dies schon in Gestalt des Roboters Calvin, der einem Menschen nachgebaut wurde. Calvin steht in der Nachtschicht am Band und hievt mit wippenden Bewegungen Reifen um Reifen aus einer Gitterbox, um sie aufs Band zu legen. Dies sei keineswegs so trivial wie es scheint, erklärt Jean-Louis Constanza, CEO von Wandercraft, die Calvin für Renault herstellen. Die Box ist instabil, die Reifen rutschen und liegen immer ein wenig anders. Das alles gleicht Calvin selbständig aus und bringt die Pneus genau so zur Montage, wie sie benötigt werden.

Roboter halten Einzug

Calvin und seine derzeit neun Kollegen in verschiedenen Renault-Werken werden später einmal den Arbeitern auch bei komplizierteren und frei bestimmbaren Montagevorgängen zur Hand gehen. Das Talent dazu ist zweifellos vorhanden, vor allem aber die Kraft. Bis zu 90 Kilogramm hebt Calvin problemlos an. Schon im kommenden Jahr soll er mehr als 300 weitere Kollegen bekommen. Das entlastet die menschlichen Arbeitskräfte von schweren Arbeiten – auch eine Form von Nachhaltigkeit. Frank Thomas Uhrig/SP-X

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