Mit der neuen Hub Line bringt Bosch erstmals einen Nabenmotor auf den Markt – mit 400 Watt und 45 Nm Drehmoment.
Die E-Bike-Sparte von Bosch stellt sich für die Saison 2027 mit ihren Antriebslösungen breiter auf. Die wichtigste Neuheit ist der erste Radnabenmotor der Schwaben. Anbieter wie Mahle oder Bafang bespielen den E-Bike-Markt mit dieser Antriebsart bereits seit Jahren erfolgreich. Nun will auch Bosch ein Stück vom Heckantriebskuchen. Einige namhafte Fahrradhersteller wie Canyon, Gazelle oder Moustache haben bereits erste urbane E-Bikes mit der neuen Lösung vorgestellt.
Mit der Hub Line betritt Bosch allerdings kein Neuland, sondern stößt in ein bereits etabliertes Marktsegment vor. Nabenmotoren erfreuen sich insbesondere bei leichten Urban- und Lifestyle-Bikes wachsender Beliebtheit. Für Bosch, das den E-Bike-Markt bislang vor allem mit seinen Mittelmotoren geprägt und die Konkurrenz vielfach vor sich hergetrieben hat, ist die Hub Line daher auch eine Reaktion auf einen bislang nicht bedienten Trend. „Wir haben uns gefragt: Warum sollte Bosch als Marktführer bei Mittelmotoren überhaupt einen Nabenmotor entwickeln? Weil er perfekt zu einem urbanen Lebensstil und einer jüngeren Generation von Radfahrern passt, die stilvolle und reduzierte Fahrräder bevorzugt“, sagt Bosch-E-Bike-Chef Claus Fleischer.
Nabenmotor: Das „Prinzip der Unsichtbarkeit“

Für diese Anwendung bietet die „Hub Line“-Motorvariante gute Voraussetzungen. Im Hinterrad zwischen Scheibenbremse und Zahnkranz versteckt, bleibt die durchgehend schwarz lackierte Lösung weitgehend unauffällig. Hinter der Entwicklung stand laut Fleischer das „Prinzip der Unsichtbarkeit“. Ziel sei gewesen, „ein E-Bike zu bauen, das nicht mehr wie ein E-Bike aussieht“. Speziell für den neuen Motor hat Bosch deshalb auch den schlanken Intube-Akku 360 entwickelt, wodurch das aufnehmende Unterrohr nicht zu dick aufträgt. Der Energiespeicher wiegt lediglich 2,1 Kilogramm, ist mit rund 80 Kilometern Reichweite allerdings kein Langstreckenläufer.
Alternativ lässt sich die Hub Line auch mit klassischen Fahrradrahmen ohne Intube-Lösung kombinieren. Hier bietet sich der ursprünglich als Range Extender entwickelte PowerMore 250 an, der dort als Stromspeicher montiert wird, wo sonst Flaschenhalter oder Faltschloss ihren Platz finden. Natürlich lässt sich der Zusatzakku auch mit dem Intube 360 kombinieren, was die Reichweite in den dreistelligen Kilometerbereich hebt.
Kombinierbar ist der Motor mit verschiedenen Schaltungslösungen. Bosch hat die Hub Line bewusst offen ausgelegt und sieht Einsatzmöglichkeiten vom puristischen Singlespeed bis zur Zwölfgang-Kettenschaltung. Für urbane Räder scheint jedoch die Kombination mit einem Riemenantrieb besonders naheliegend. Gemeinsam mit Universal Transmissions bietet Bosch zudem eine Zweigang-Lösung in Kombination mit Gates-Riemenantrieb an. „Ein Gang zum Anfahren und für Steigungen in der Stadt, der zweite für die gewünschte Reisegeschwindigkeit“, erläuterte Fleischer das Konzept. Anders als etwa bei der Nabenmotor-Lösung von Bafang mit integrierter Zweigang-Automatik sitzt das Getriebe von Universal Transmissions nicht in der Nabe selbst, sondern daneben. Der Gangwechsel erfolgt zudem manuell per Daumenschalter.
Kombinierbar mit verschiedenen Schaltungslösungen
Der Motor selbst bietet keine Überraschungen. Mit 400 Watt Leistung und vor allem 45 Newtonmeter Drehmoment steht er für seine Klasse gut im Futter und sorgt dank Drehmomentsensor für einen angenehm natürlichen Vortrieb. Akustisch bleibt der Antrieb dabei angenehm zurückhaltend. Seine Stärken zeigt er insbesondere in der höchsten der vier Unterstützungsstufen, die bei Bosch traditionell Turbo heißt. Eine gute Alternative ist der Auto-Modus, der situationsbedingt spürbar mehr Unterstützung liefert, wenn man etwa an Steigungen an Fahrt verliert. Die übrigen Fahrmodi helfen entweder beim Reichweitenmanagement oder dem Verbrennen von Kalorien.

Spannend ist die Hub Line hinsichtlich ihrer Konnektivität, denn sie gehört zur Smart-System-Familie. Mit einem für das Modelljahr 2027 überarbeiteten Connect-Modul eröffnet auch die Hub Line Zugang zu den zahlreichen Online-Funktionen der Flow-App. Das Spektrum reicht von Navigation über Diebstahlschutz und Bike-Tracking bis zur Feinjustierung des Antriebscharakters. Dabei entfallen die sonst üblichen Displays und Bedieneinheiten, was gut zum minimalistischen Ansatz vieler Urban Bikes passt.
Verschiedene LED-Lösungen
Passend zur minimalistischen Ästhetik vieler Urban Bikes hat Bosch den LED Controller entwickelt, der als Nachfolger der bisherigen LED Remote gedacht ist. Auch hierbei handelt es sich um eine Anzeige- und Bedieneinheit, die mittels farbiger LEDs über Akkustand und Fahrmodus informiert. Gleichzeitig bietet sie auf engstem Raum mehrere für den Daumen gut erreichbare Bedienelemente. Ergänzen lässt sich der LED Controller um verschiedene Displaylösungen. Als weitere Neuheit hat Bosch künftig das Intuvia 200 im Angebot. Dieses setzt auf einen monochromen, zugleich aber gestochen scharfen und hochauflösenden Bildschirm. Mario Hommen/SP-X


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