Ladeinfrastruktur

Ladeinfrastruktur wächst schneller als ihre Nutzung

Laut einer Studie ist die Ladeinfrastruktur schneller gewachsen als die Zahl der E-Autos. Das geht zu Lasten der Wirtschaftlichkeit.

Der Ausbau öffentlicher Ladepunkte für Elektroautos kommt in Deutschland gut voran – so gut, dass die Netzauslastung deutlich hinter dem zurückbleibt, was technisch möglich wäre. Das geht aus dem aktuellen Elektromobilitätsmonitor des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor.

Demnach waren öffentliche Ladepunkte im Jahr 2025 im bundesweiten Schnitt nur zu rund zwölf Prozent gleichzeitig belegt – und das, obwohl die Zahl batterieelektrischer Fahrzeuge auf deutschen Straßen weiter kräftig gestiegen ist. Der BDEW wertet diesen Befund als klares Signal: Der Ausbau der Ladeinfrastruktur läuft dem tatsächlichen Hochlauf der E-Pkw-Flotte spürbar voraus.

Zum Jahresende 2025 waren in Deutschland rund 200.000 öffentliche Ladepunkte installiert. Zusammen kommen sie auf eine Ladeleistung von über neun Gigawatt – eine Kapazität, die im Alltag also nur zu einem Bruchteil abgerufen wird.

Was hinter dem Trend steckt

Das Bild passt zu einer allgemeinen Entwicklung, die auch andere Marktbeobachter beschreiben: Kommunale Unternehmen wie Stadtwerke betreiben rund die Hälfte der öffentlichen Ladepunkte in Städten und Gemeinden und bauen ihre Netze 2026 vielerorts weiter aus – teils, wie im Fall der Stadtwerke Augsburg, sogar mit dem Ziel einer Verdopplung bis Jahresende. Gleichzeitig wächst die Zahl der Ladepunkte laut Bundesnetzagentur kontinuierlich, zuletzt auf einen neuen Rekordwert nahe 194.000 Anlagen – ein Plus von über 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Widerspruch liegt auf der Hand: Während Betreiber in die Fläche und in höhere Ladeleistungen investieren, hinkt die tatsächliche Fahrzeugflotte – und damit die Nachfrage an den Säulen – diesem Tempo noch hinterher. Für Netzbetreiber und Kommunen bedeutet das einerseits Entwarnung, was Reichweitenangst und Versorgungssicherheit auf Langstrecken betrifft. Andererseits wirft es Fragen zur Wirtschaftlichkeit einzelner Standorte auf, solange die Auslastung so gering bleibt.

Der BDEW-Befund unterstreicht, dass die vielbeschworene „Henne-Ei-Frage“ der Elektromobilität – zu wenig Ladepunkte oder zu wenige E-Autos – in Deutschland aktuell eindeutig zugunsten der Ladeinfrastruktur beantwortet ist. Ob sich das Verhältnis in den kommenden Jahren angleicht, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich der Absatz von Elektrofahrzeugen weiter beschleunigt. Titelfoto: pixabay

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *