Lastenräder

Fünf Lastenräder und was sie unterscheidet

Bei den Lastenrädern gibt es fünf unterschiedliche Typen. Doch welches Konzept eignet sich wofür am besten? Ein Überblick.

Wer mit einem Lastenrad liebäugelt, steht vor der Frage, welche Art er nun wählen soll. Cargo-Bikes werden zumeist in vier Grundtypen unterteilt, die jeweils unterschiedliche Vor- und Nachteile in Hinblick auf Einsatzzweck, Kosten und Fahreigenschaften bieten. Darüber hinaus gibt es einen neuen Typus der Lastenräder, der aus dem klassischen Schema hervorsticht.

Schwere Lasten: die Trikes

Wer Wert darauf legt, möglichst schwere Lasten transportieren zu können, sollte sich bei den Trikes (Titelfoto) umschauen. Ein vielen bekannter Klassiker ist etwa das aus Dänemark stammende Christiana, welches hinten wie ein klassisches Fahrrad aussieht, vorne jedoch eine breite Achse mit zwei Rädern und Ladebox bietet. Letztere kann sehr geräumig ausfallen. Vorteile der Dreiräder sind ihre oft hohe Belastbarkeit sowie ihre Stabilität, da die zweispurige Achse für einen sicheren Stand sorgt. Ein Nachteil: Sie brauchen große Parkflächen und breite Fahrradwege. Zudem ist man meist nicht sehr flott mit ihnen unterwegs. Mittlerweile gibt es ein breites Spektrum recht unterschiedlicher Trike-Typen. Einige Konstruktionen, wie etwa das Humbauer Flexbike mit riesiger Ladebox oder das XCYC mit großer Ladefläche, haben die breite Achse am Heck, die dann Lasten von zum Teil deutlich über 200 Kilogramm verträgt. Diese nicht ganz einfach zu fahrenden Dreiräder sind eher für die gewerbliche Nutzung gedacht. Da sich Dreiräder ziemlich sperrig in Kurven verhalten, werden mittlerweile Konstruktionen mit Neigungstechnik wie etwa das besonders kompakte Kiffy aus Frankreich oder das aus Köln stammende Chike angeboten. Ein interessantes Umbau-Kit heißt TreGo, mit sich normale Fahrräder zum Trike mit Neigungstechnik für allerdings nur kleine Lasten umbauen lassen. Die Preisspanne von Trikes reicht von niedrigen vierstelligen bis zu fünfstelligen Preisen.

Für enge Wege: Long John

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Das innovative Ca Go von Cagobike ist mittlerweile bestellbar. Mit rund 6.600 Euro für die Basisversion ist es allerdings nicht ganz billig. Foto: Cagobike

Ein einspuriger Lastenrad-Klassiker ist das Long John. Dieser Typ fällt in der Regel schlanker als die Trikes aus, ist dafür allerdings ziemlich lang. Häufig ähnelt bei Long Johns die hintere Konstruktion einem typischen Fahrrad mit großem Hinterrad. Jenseits vom Lenker geht der Rahmen in die Länge und endet an einem kleinen Vorderrad, welches in vielen Fällen per Seilzugmechanik gelenkt wird. Zwischen Lenker und Vorderrad ist Platz für eine große Ladefläche oder -box. Vor allem in der Stadt mit oft engen Fahrradwegen bietet diese Konstruktion Vorteile. Zudem erfreut es sich bei sportlichen Fahrern größerer Beliebtheit. Ein typischer Long-John-Vertreter ist das elektrisch unterstütze Packster von Riese & Müller, für das eine Vielzahl an Transportlösungen für Gepäck oder Personen erhältlich sind. Den sportlichen Aspekt des Long John rückt das ultraleichte Velosled von Coh&Ho in den Vordergrund. Recht neu ist das Ca Go aus Deutschland, welches sich um maximale Sicherheit für Kinder bemüht. Zu den besonders kompakten, weil kurz bauenden Long-John-Vertretern gehören das I:SY Cargo oder das im Frühjahr startende Yoonit. Ob klein oder groß: Long-John-Räder verlangen in der Regel nach gehobener Investitionsbereitschaft. Die günstigsten Modelle liegen bei knapp unter 2.000 Euro.

Gepäck hinten: das Long Tail

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Bei Tern setzt man auf Longtail-Konstruktionen. Hier das besonders edle GSD R14. Foto: SP-X

Das Long-John-Prinzip wird bei den Long Tail oder Backpacker genannten Lastenrädern umgekehrt. Hier erstreckt sich der Cargo-Bereich hinter dem Sattel. Meist bieten sie sehr groß dimensionierte und besonders stabil konstruierte Gepäckträger, die Aufnahmemöglichkeiten für Transportboxen, Taschen oder Kindersitze bieten. Wie das Long John ist das Backpacker einspurig und entsprechend schlank. Zudem fährt es sich fast wie ein klassisches Fahrrad. Bekannte Anbieter von Backpacker-Rädern sind etwa Klappradspezialist Tern mit dem kompakten GSD oder Yuba aus den USA, die mit dem Allrounder Kombi ein mit rund 1.200 Euro sogar vergleichsweise günstiges Lastenrad anbieten.

Nur für Gepäck: Bäcker-/Postfahrräder

Noch deutlich günstiger sind die Bäcker- oder Postfahrräder genannten Transporträder, die in der Regel zu Preisen von 600 bis 1.200 Euro angeboten werden. Dieser meist mit einem bequemen Tiefeinsteigerrahmen kombinierte und normalen Fahrrädern recht ähnliche Typus zeichnet sich durch eine vor dem Lenker liegende Ladefläche aus, auf der sich größeres Gepäck transportieren lässt. Häufig lässt sich hier auch eine große Tasche oder Transportbox befestigten, in die sich kleinere Gegenstände in größerer Zahl einladen lassen. In vielen Fällen zeichnen sich Bäckerfahrräder noch durch eine ähnlich wie vorne konstruierte Transportfläche am Heck sowie einen großen Parkständer aus. Häufig wird das Bäckerfahrrad im urbanen Einsatz zum Einkaufen genutzt, für den Personentransport finden sich in der Regel keine Lösungen.

Kompakt: das Klapp-Lastenrad

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Nur bei Bedarf ist das Convercycle ein Lastenrad. Foto: Convercycle

Eine spannende Alternative zu allen bisher genannten Typen ist das Convercycle genannte Klapp-Lastenrad, welches auf den ersten Blick gar nicht wie ein Cargo-Bike aussieht. Der Clou: Das Hinterrad lässt sich nach hinten wegklappen, was mit einer deutlichen Verlängerung von Radstand und Transportkorb einhergeht. Das so zum Longtail gewandelte Lastenrad kann fortan auch größere Gepäckstücke aufnehmen. Neben einer rund 2.000 Euro teuren Variante mit Bioantrieb ist das Convercycle auch als Pedelec erhältlich. Der Vorteil dieser variablen und außergewöhnlichen Rahmenkonstruktion: Man kann es wie ein normales Fahrrad nutzen, außerdem lässt es sich kompakt parken und nur bei Bedarf zum sperrigen Lastenrad ausbauen. Es eignet sich allerdings nicht für den Personentransport, außerdem sucht man nach cleveren Gepäcklösungen im Zubehör vergebens. Mario Hommen/SP-X/Titelfoto: Chike

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