Honda gibt einen Ausblick auf seine E-Auto-Pläne. Die Japaner streichen weitere Modelle und setzen stärker auf Profitabilität.
Honda richtet seine globale Auto-Strategie neu aus. Nach milliardenschweren Belastungen im Elektroauto-Geschäft streicht der japanische Hersteller weitere geplante Modelle und will Investitionen künftig stärker an der tatsächlichen Nachfrage ausrichten. An der Elektrifizierung hält Honda grundsätzlich fest, das Tempo der Transformation soll jedoch langsamer und wirtschaftlich kontrollierter ausfallen.
Bei der Vorstellung der jüngsten Geschäftszahlen Anfang August in Tokio erläuterte der Konzern die neue Ausrichtung. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Honda mit zusätzlichen Belastungen von 520 Milliarden Yen. Das entspricht umgerechnet rund 3 Milliarden Euro. Die bekannten finanziellen Risiken aus der Korrektur der Elektrifizierungsstrategie sollen möglichst bis Ende März 2027 bilanziell verarbeitet werden.
Honda streicht geplante Elektroautos

In Nordamerika hat Honda bereits mehrere geplante Elektrofahrzeuge aus der Produktplanung genommen. Dazu gehören Modelle der ursprünglich angekündigten 0-Serie. Der Konzern reagiert damit auf die verhaltenere Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen, den wachsenden Preisdruck und die zunehmende Konkurrenz aus China.
Honda will die Elektrifizierung damit nicht vollständig stoppen. Künftige Entscheidungen über neue Elektroautos sollen jedoch stärker davon abhängen, wie sich die Nachfrage in den einzelnen Märkten entwickelt. Gleichzeitig rücken Hybridmodelle wieder stärker in den Mittelpunkt der Produktstrategie.
Bereits zuvor hatte Honda seine ursprünglichen Elektroauto-Ziele abgeschwächt und die Investitionen in die Elektrifizierung reduziert. Statt einer möglichst schnellen Umstellung auf batterieelektrische Fahrzeuge soll künftig ein ausgewogener Antriebsmix aus Elektroautos, Hybriden und weiteren elektrifizierten Fahrzeugen für bessere Erträge sorgen.
Kooperation mit Nissan geplant
Um die Entwicklungskosten zu senken, prüft Honda eine engere Zusammenarbeit mit Nissan. Im Mittelpunkt stehen Hard- und Software für softwaredefinierte Fahrzeuge. Beide Unternehmen sprechen außerdem über eine gemeinsame Standardisierung elektronischer Systeme. Darüber hinaus werden Kooperationen bei Batterien und Produktionssystemen untersucht. Auch eine gegenseitige Nutzung von Fertigungskapazitäten ist möglich. Einen Zusammenschluss der beiden japanischen Hersteller sieht Honda nach den bisherigen Angaben jedoch nicht vor.
Die Zusammenarbeit soll vor allem helfen, Entwicklungs- und Produktionskosten zu reduzieren. Softwaredefinierte Fahrzeuge erfordern hohe Investitionen in Elektronik, Betriebssysteme, Datenverarbeitung und digitale Funktionen. Gemeinsame technische Standards könnten es Honda und Nissan ermöglichen, diese Kosten auf größere Stückzahlen zu verteilen.
Honda setzt in Europa auf Nischen
Auch in Europa will Honda seine Strategie deutlich verändern. Der Kontinent gehört nach Angaben von Europachef Hans De Jaeger nicht zu den drei wichtigsten Schwerpunktregionen des Konzerns. Im Mittelpunkt stehen stattdessen die USA, Japan und Indien.
Europa bleibt für Honda dennoch ein wichtiger Markt. Die Marke will sich dort künftig allerdings nicht über große Stückzahlen in den besonders umkämpften Volumensegmenten profilieren. Stattdessen sollen eigenständige Modelle und eine klarere Ausrichtung auf Privatkunden für höhere Margen sorgen.
Ein Beispiel dafür ist das Hybridcoupé Prelude. Honda setzt damit auf ein emotionales Modell, das sich vom klassischen SUV- und Kompaktwagensegment abheben soll. Eine breit angelegte Elektroauto-Offensive ist in Europa vorerst nicht geplant. Stattdessen soll das Modellprogramm gezielter auf die Nachfrage und die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Marke zugeschnitten werden.
Absatz soll auf 100.000 Fahrzeuge steigen
Honda will den Absatz in Europa einschließlich der Türkei innerhalb von zwei bis drei Jahren von zuletzt rund 71.000 auf etwa 100.000 Fahrzeuge erhöhen. Frühere Ziele von 200.000 oder sogar 250.000 Einheiten verfolgt der Hersteller nicht mehr. Im Vordergrund steht laut De Jaeger ein dauerhaft profitables Geschäft. Honda nimmt damit bewusst Abstand von einer schnellen Expansion und einem direkten Preiswettbewerb mit chinesischen Herstellern.
Die neue Europa-Strategie folgt damit einem Nischenansatz: Statt möglichst viele Fahrzeuge zu verkaufen, will Honda mit eigenständigen, technisch überzeugenden und stärker auf bestimmte Zielgruppen zugeschnittenen Modellen wachsen. Ein ähnlicher Kurs wird auch in anderen Marktanalysen beschrieben.
Hybride gewinnen an Bedeutung
Die Neuausrichtung bedeutet eine deutliche Aufwertung der Hybridtechnik. Honda will die Nachfrage nach Hybridfahrzeugen nutzen, die in mehreren Märkten derzeit stärker ist als die Nachfrage nach reinen Elektroautos.
In Europa könnte das zunächst zu einer Modellpalette führen, die überwiegend aus Hybridfahrzeugen besteht. Reine Elektroautos bleiben zwar Bestandteil der langfristigen Planung, dürften kurzfristig aber eine kleinere Rolle spielen als ursprünglich vorgesehen. Titelfoto: Puls Magazin


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