Seat Mii electric

Seat Mii electric: Der kann gut Stadt

Seat bietet den Kleinstwagen Mii ausschließlich als Elektroauto an, den Seat Mii electric. Das kann man gut nachvollziehen, wie unser Autor konstatiert.

Es ist doch immer wieder eine Freude, ein Elektroauto zu fahren. Diese spontan einsetzende und nimmer unterbrochene Beschleunigung, die Ruhe, die Vibrationsfreiheit. Kein (Automatik-)Getriebe, das eine Schrecksekunde benötigt, um die Stufe zu wechseln. Einfach Gang einlegen, Strom geben und los. Da bildet auch der Seat Mii keine Ausnahme von der Regel.

Handy statt Bildschirm

Seat Mii electric

Als Bildschirm dient das Handy.

Zwar muss man bei ihm noch einen Schlüssel ins Zündschloss stecken und diesen drehen sowie auf andere Annehmlichkeiten wie einen großen Monitor und einige Assistenten verzichten, doch das muss man bei allen anderen Stadtflitzern vom Format eines Kleinstwagen ja schließlich auch. Immerhin bietet der Mii electric nun diverse Konnektivitäten, vor allem über die Connect App, die den Fernzugriff über das Smartphone ermöglicht und über die man die Klimatisierung und Abfahrtszeitenprofile steuern sowie sich Infos über Fahrzeugstatus und Fahrprofile geben lassen kann. Den Bildschirm ersetzt übrigens das Handy in einer Halterung an der Mittelkonsole.

Wendig und spritzig

Der Kleine kann also recht viel. Er kann vor allem gut Stadt. Mit seinem engen Wendekreis, der sofortigen Stromannahme ist er an Spritzigkeit seinen Verbrenner-Brüdern meilenweit voraus. Es macht, wie eingangs beschrieben, einfach Spaß mit ihm durch den Stadtverkehr zu wuseln. Und auch auf der Autobahn kann er gut mitschwimmen. Hinzu kommt der für einen Kleinwagen von gerade mal knapp 3,60 Metern Länge riesige Innenraum, der vier Personen locker aufnehmen kann; hinter das Lenkrad passen auch große Menschen mit über zwei Metern, das gesamte Raumgefühl ist großzügig.

Reichweite: 260 Kilometer

Seat Mii electric

Der Mii electric kann mit bis zu 40 kW (DC) laden. Fotos: Seat

Doch das weiß man ja schon von den (benzingetriebenen Vorgängern). Werfen wir also einen Blick auf das, was ihn unterscheidet. Nach dem Modellwechsel im vergangenen Jahr hat der Mii electric einen größeren Akku spendiert bekommen, der nun 32,3 kWh Energie bunkern kann. In der Praxis soll das für bis zu 350 Kilometer im Stadtverkehr genügen. Wenn man den Stromer im Modus Eco puls bewegt, wobei die Klimaanlage abgestellt wird, und den Schalthebel auf Rekuperation (B) stellt und zudem sehr verhalten fährt, mag das gelingen. Bei sommerlichen Temperaturen, also mit Klimaanlage, und gemischten Strecken zeigte der Bordcomputer bei geladenem Akku stets Reichweiten von und die 260 Kilometer an.

Verbrauch: 12,06 kWh

Diesen Angaben darf man mittlerweile trauen, auch wenn zwischenzeitlich die eine oder andere Autobahnnutzung anfällt – kann ja mal passieren. Wir sind deswegen so optimistisch, weil die Verbrauchsdaten, die der Computer anzeigt, oft unterhalb dessen liegen, was für die WLTP-Norm gemessen wurde. Wir notierten Verbräuche zwischen 10,1 und 13,5 kWh auf 100 Kilometer, auf Autobahnen auch mal jenseits der 14,0; angegeben sind 14,4 bis 14,9 kWh. Im Schnitt kamen wir auf 12,06 kWh. Es scheint, dass die Zeiten, in denen der Testverbrauch grundsätzlich oberhalb der Angaben der Normen liegt, vorbei sind.

Bis 40 kW laden

Seat Mii electric

Trotz der üppigen Innenraummaße fasst der Kofferraum 251 Liter.

Und wie klappt das Laden? An der Haushaltssteckdose unproblematisch – man muss halt ein wenig Zeit einplanen, bis der Akku wieder voll ist, gerne auch mal über Nacht. Grundsätzlich kann der Mii electric an Wechselstromdosen bis zu 7,2 kW aufnehmen, an Gleichstromquelle sind es 40 kW. Damit dauert es eine Stunde, bis der Akku wieder bei 80 Prozent ist. Für einen Stadtflitzer scheint das durchaus ausreichend, dürfte man ihn doch weniger auf Langstrecken und an Schnellladern an der Autobahn vorfinden.

Soweit alles gut? Eigentlich schon. Als ein wenig nervig fielen uns lediglich einige Funktionen auf, die man nach jedem Start erneut aktivieren oder verstellen kann/muss. So ist die Klimaautomatik stets auf 22 Grad voreingestellt, der Spurassistent ist immer aktiviert, die Rekuperation und auch Eco sowie Eco plus müssen stets neu angeschaltet werden. Das könnte man eleganter regeln.

Basispreis ohne Kabel

Bleibt der Blick auf die Preisliste, die bei Kleinwagen meist erfreulich kurz ist. So auch beim Mii electric. Der Grundpreis liegt bei 20.650 Euro, doch den kann man schnell vergessen, denn schon ein Ladekabel für die heimische Dose ist nicht dabei und muss mit 175 Euro extra bezahlt werden. Auch das CCS-Kabel kostet 600 Euro extra. Ratsam ist es, ein Fahrzeug gut auszustatten, so dass das Winterpaket für 480 Euro und das Assistenzpaket für 320 gekauft werden sollten.

Seat Mii electric

Der Fahrerplatz ist übersichtlich gestaltet.

Der Testwagen landete schließlich bei 24.000 Euro brutto. Mit dem neuen Umweltbonus von rund 9.500 Euro brutto und der Mehrwertsteuersenkung landet man schließlich bei 14.000 Euro – und das kann sich mit den Preisen für Verbrenner messen. Vergleiche findet man bei Seat nicht, denn die Marke hat sie aus dem Programm genommen. Den Zwilling VW Up gibt es aber noch mit konventionellen Antrieb, und dessen Preispalette beginnt bei 13.100 Euro.

Fazit: Autos vom Schlage des Seat Mii electric sind DIE Kandidaten für ein Einsatzgebiet, das für das E-Auto wie geschaffen ist: die Stadt. Pendler in die City, ambulante Dienste und sonstige Auto-in-der-Innenstadt-Nutzer fahren mit ihm besser als mit jedem Verbrenner. Einen Wermutstropfen gibt es aber noch: Er ist für dieses Jahr bereits ausverkauft. Heinz May

Technische Daten – Seat Mii Electric

Fünftüriger Kleinwagen mit fünf Sitzen; Länge: 3,57 m, Breite: 1,65 m, (mit Außenspiegeln 1,91 m), Höhe: 1,48 m, Radstand: 4,42 m, Kofferraumvolumen: 251 – 923 Liter.

Antrieb: Elektromotor mit 61 kW/83 PS, maximales Drehmoment: 212 Newtonmeter. Lithium-Ionen-Batterie mit 32,3 kW/h Kapazität. Ladezeit auf 80 Prozent: 60 Minuten (bei DC 40 kW) bzw. 240 Minuten (bei AC 7,2 kW). 0 – 100 km/h: 12,3 sec. Vmax: 130 km/h. Verbrauch: 14.4 -14,9 kW/h auf 100 km, Testverbrauch: 12,06 kWh/100 km, Reichweite (nach WLTP): 250 – 259 km (kombiniert) bzw. 349 – 358 km (Stadtverkehr). CO2-Ausstoß: 0 g/km. Effizienzklasse: A+. Garantie: 8 Jahre/160.000 km auf den Akku; 2 Jahre Fahrzeug. Grundpreis: 20.650 Euro, Preis Testwagen: 24.004 Euro brutto (ohne Förderung oder Umweltbonus).

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