VW stoppt vorübergehend die Entwicklung des ID.Golf. Warum der E-Golf auf Eis liegt und was das für den Zeitplan bedeutet.
Die ID.Golf-Entwicklungspause ist beschlossen: Volkswagen setzt die Arbeiten am künftigen elektrischen Golf vorübergehend aus. Als Grund nennt der Autobauer den hohen Kostendruck. Sobald die nötigen Investitionen abgesichert sind, sollen die Arbeiten weitergehen.
Markenchef Thomas Schäfer hatte den Schritt zunächst in einem internen Interview angekündigt, über das das „Handelsblatt“ berichtete. Mittlerweile hat Volkswagen die Maßnahme offiziell bestätigt. „Wir können uns diese Arbeiten gerade schlicht nicht leisten“, sagte Schäfer laut Reuters. Man wolle die Entwicklung so schnell wie möglich wieder aufnehmen. In der Mitteilung zu den Neunmonatszahlen der Brand Group Core heißt es, die Entwicklungsleistungen für den ID.Golf ruhten, „bis wir die nötigen Investitionen sicher abbilden können“.
Teil eines breiteren Sparprogramms
Die Pause gehört zu einem umfassenderen Sparkurs. Volkswagen will die Investitionsdisziplin erhöhen, Vorleistungen reduzieren und das Working Capital verbessern, um den Netto-Cashflow zu stärken. Dieser ging in der Brand Group Core in den ersten neun Monaten 2026 deutlich zurück, von 4,34 auf 1,43 Milliarden Euro. Der Umsatz blieb mit 106,4 Milliarden Euro nahezu stabil. Das operative Ergebnis sank dagegen von 4,72 auf 4,33 Milliarden Euro, die operative Rendite von 4,4 auf 4,1 Prozent.
Am stärksten belastet ist die Kernmarke Volkswagen Pkw. Ihr operatives Ergebnis fiel in den ersten neun Monaten von 1,48 Milliarden auf 813 Millionen Euro, die operative Rendite lag bei 1,3 Prozent. Ohne Sondereffekte aus Restrukturierungen, dem angestrebten Verkauf von Volkswagen Osnabrück und dem Ende der ID.4-Produktion in Chattanooga wären es laut Volkswagen 2,6 Prozent gewesen.
Elektroautos drücken auf die Marge
Die Nachfrage nach Elektroautos wächst, doch laut Volkswagen erreichen sie noch nicht die Margen vergleichbarer Verbrenner. Dadurch steigt der Anteil der weniger profitablen Elektroautos, während das Volumen der ertragsstärkeren Verbrenners sinkt.
Auch im Stammwerk Wolfsburg ist der Kostendruck hoch. Nach Informationen von Reuters liegt das Werk in diesem Jahr rund 300 Millionen Euro hinter seinem Kostenziel. Die Werke in Emden und Zwickau seien bei der Senkung der Fabrikkosten dagegen auf Kurs.
Der ID.Golf soll auf der kommenden Scalable Systems Platform (SSP) basieren. Die konzernweit geplante Elektroplattform soll technische Komplexität und Kosten senken. Der elektrische Golf ist für Anfang der 2030er Jahre vorgesehen. Ob sich dieser Zeitplan verschiebt, bleibt offen. Der Betriebsrat erklärte gegenüber Reuters, ein möglicher Zeitverlust lasse sich wieder aufholen. Er wertet den Ausgabenstopp allerdings als weiteres Zeichen für die angespannte finanzielle Lage des Konzerns.
Volkswagen betont, dass es sich um eine vorübergehende Maßnahme handelt. Einen Termin für die Wiederaufnahme der Entwicklungsvorleistungen nennt das Unternehmen bisher nicht. Titelfoto: VW


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