Fastned steigert im ersten Halbjahr 2026 Ladevorgänge, Stromabsatz und Ergebnis deutlich. Doch die Verbindlichkeiten wachsen.
Der niederländische Schnellladeanbieter Fastned hat im ersten Halbjahr 2026 weiter kräftig expandiert. Die Zahl der Ladevorgänge, der verkaufte Strom und der Umsatz legten deutlich zu. Gleichzeitig stiegen die Gesamtverbindlichkeiten auf 514,6 Millionen Euro. Das zeigt exemplarisch, vor welcher Herausforderung viele Betreiber öffentlicher Schnellladenetze stehen: Das Geschäft wächst, erfordert aber weiterhin hohe Investitionen und ist noch nicht nachhaltig profitabel.
Fastned eröffnete in den ersten sechs Monaten des Jahres 28 neue Ladeparks. Damit erhöhte sich die Zahl der in Betrieb befindlichen Standorte auf 434. Rund 300 weitere Ladeparks befinden sich nach Angaben des Unternehmens in Planung oder bereits im Bau. Perspektivisch könnte das Netzwerk damit auf 723 Standorte wachsen.
Fastned steigert Ladevolumen deutlich
Die operative Entwicklung fiel im ersten Halbjahr 2026 erneut positiv aus. Fastned verzeichnete 4,1 Millionen Ladevorgänge. Das entspricht einem Anstieg von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die verkaufte Strommenge wuchs sogar um 38 Prozent auf 112,3 Gigawattstunden. Der Ladeumsatz stieg um 40 Prozent auf 75,1 Millionen Euro. Damit entwickelte sich das Ladevolumen erneut schneller als die Zahl der betriebenen Standorte.

Auch der Bruttogewinn aus dem Ladegeschäft legte deutlich zu. Er stieg um 61 Prozent auf 66 Millionen Euro. Der Bruttogewinn je Kilowattstunde erhöhte sich um 17 Prozent. Nach Angaben von Fastned verbesserten sich damit sowohl die Auslastung als auch die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Ladevorgänge.
Der Begriff Bruttogewinn sollte in diesem Zusammenhang jedoch nicht mit dem Unternehmensgewinn verwechselt werden. Er beschreibt im Wesentlichen die Differenz zwischen den Einnahmen aus dem Ladestromverkauf und den direkten Kosten für den eingekauften Strom. Weitere Aufwendungen wie Personal, Verwaltung, Vertrieb, Mieten, Zinsen, Steuern und Abschreibungen sind darin noch nicht vollständig berücksichtigt.
Operatives Ergebnis verbessert sich
Nach Abzug der Betriebs-, Vertriebs- und Verwaltungskosten erreichte Fastned ein operatives Ebitda von 37,4 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 hatte der Wert bei 17,9 Millionen Euro gelegen. Das operative Ergebnis hat sich damit mehr als verdoppelt. Das Ebitda berücksichtigt allerdings weiterhin nicht sämtliche Kosten des Unternehmens. Vor allem Zinsen, Steuern und Abschreibungen fehlen in dieser Kennzahl. Für die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation ist deshalb auch das Nettoergebnis entscheidend.
Unter dem Strich verbuchte Fastned im ersten Halbjahr 2026 einen Verlust von 13,0 Millionen Euro. Der Fehlbetrag fiel damit geringer aus als im Vorjahreszeitraum, als noch ein Nettoverlust von 18,3 Millionen Euro angefallen war. Das zugrunde liegende Unternehmens- Ebitda verbesserte sich laut Fastned von 1,4 auf 13,7 Millionen Euro.
Gesamtverbindlichkeiten über 500 Millionen Euro
Parallel zum Wachstum des Ladegeschäfts nahm die finanzielle Belastung weiter zu. Die Gesamtverbindlichkeiten stiegen von 409,8 Millionen Euro zum 31. Dezember 2025 auf 514,6 Millionen Euro zum 30. Juni 2026. Damit überschreiten die Verbindlichkeiten erstmals die Marke von einer halben Milliarde Euro. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um klassische Bankkredite. Fastned finanziert den Ausbau seines Schnellladenetzes unter anderem über Anleihen, Bankdarlehen und weitere Finanzierungsinstrumente.
Rund 337 Millionen Euro hat das Unternehmen mittlerweile über Anleihen von Privatanlegern aufgenommen. Die zuletzt ausgegebenen Anleihen wurden mit 6 Prozent verzinst. Zusätzlich nutzt Fastned Bankfinanzierungen. Anfang 2026 sicherte sich das Unternehmen unter anderem einen grünen Finanzierungsrahmen von bis zu 200 Millionen Euro für den weiteren Ausbau.
Die steigenden Verbindlichkeiten sind daher nicht automatisch mit einem kurzfristigen Liquiditätsproblem gleichzusetzen. Sie zeigen jedoch, wie kapitalintensiv der Aufbau eines europaweiten Schnellladenetzes ist und wie stark das Geschäftsmodell auf künftig steigende Auslastung angewiesen bleibt.
Ausbau verschlingt viel Kapital
Der hohe Finanzierungsbedarf ergibt sich vor allem aus den Investitionen in neue Ladeparks. Fastned erhöhte seine Investitionsausgaben im ersten Halbjahr 2026 auf 44,7 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 41,0 Millionen Euro. Auch die sogenannten Network Expansion Costs stiegen deutlich. Sie legten um 40 Prozent auf 22,9 Millionen Euro zu. Darunter fallen unter anderem:
- Personalkosten für Expansions- und Entwicklungsteams.
- Suche und Akquise geeigneter Standorte.
- Machbarkeitsstudien.
- Planungs- und Ingenieursleistungen.
- Genehmigungsverfahren.
- Entwicklung und Betrieb von IT-Software.
Diese Ausgaben fallen teilweise bereits an, bevor ein Ladepark eröffnet wird und Einnahmen erzielt. Hinzu kommen die Kosten für Netzanschlüsse, Bauarbeiten, Trafostationen, Ladehardware, Überdachungen und mögliche Erweiterungen bestehender Standorte.
Fastned bleibt eine Wette auf die Zukunft
Die Halbjahreszahlen 2026 verdeutlichen das Spannungsfeld im Geschäft der Charge Point Operators. Fastned wächst bei Ladevorgängen, Stromabsatz und Umsatz deutlich. Auch das operative Ergebnis verbessert sich. Gleichzeitig schreibt das Unternehmen weiterhin Verluste und muss den Netzausbau mit hohen Fremdmitteln finanzieren.
Das Geschäftsmodell setzt deshalb darauf, dass die Zahl der Elektroautos in Europa weiter steigt und die bestehenden Ladeparks künftig deutlich stärker ausgelastet werden. Genau diese Auslastung entscheidet darüber, ob sich die hohen Investitionen langfristig rechnen.


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