Niedrigwasser setzt Ungarns Stromnetz unter Druck. MOL, E.ON, Shell und Metro drosseln oder deaktivieren Schnelllader in den Abendstunden.
Hitzewelle, Dürre und ein historisch niedriger Wasserstand der Donau belasten das ungarische Stromnetz. Deshalb schränken mehrere Ladenetzbetreiber das Laden von Elektroautos in den Abendstunden ein. MOL, E.ON und Shell reduzieren die Leistung ihrer Schnelllader, während andere Anbieter Ladepunkte vorübergehend abschalten oder höhere Preise verlangen.
Für E-Auto-Fahrer in Ungarn bedeutet das: Zwischen spätem Nachmittag und Abend können Ladevorgänge länger dauern, teurer werden oder an einzelnen Standorten überhaupt nicht möglich sein.
Stromnetz unter hoher Belastung

Die Maßnahmen sollen vor allem die tägliche Lastspitze zwischen 17 und 22 Uhr abfedern. In diesem Zeitraum steigt der Stromverbrauch wegen des intensiven Einsatzes von Klimaanlagen deutlich an. Zusätzlich ist die Stromerzeugung des Landes derzeit stark eingeschränkt. Das Kernkraftwerk Paks, Ungarns einziges Atomkraftwerk, bezieht sein Kühlwasser aus der Donau. Wegen des außergewöhnlich niedrigen Wasserstands musste die Anlage ihre Leistung zeitweise deutlich reduzieren. Paks liefert im Normalbetrieb einen wesentlichen Anteil des ungarischen Stroms.
Die ungarische Regierung und Unternehmen riefen deshalb dazu auf, den Stromverbrauch insbesondere während der abendlichen Spitzenzeiten zu senken. Auch das Laden von Elektroautos soll möglichst in weniger belastete Tageszeiten verschoben werden.
MOL und E.ON reduzieren Ladeleistung
MOL begrenzt seit Anfang August die Leistung seiner Schnelllader des Netzwerks MOL Plugee. Betroffen sind Ladestationen mit einer Nennleistung von mindestens 150 kW. Zwischen 17 und 22 Uhr stehen dort maximal 100 kW zur Verfügung. Der Energiekonzern hatte zuvor bereits eigene Autowaschanlagen geschlossen und seine Franchise-Partner zu vergleichbaren Energiesparmaßnahmen aufgefordert.
Auch E.ON Drive Infrastructure Hungary greift in die Ladeleistung ein. Seit dem 3. August wird an Standorten mit Schnellladern ab 300 kW die verfügbare Leistung zwischen 17 und 22 Uhr um 50 Prozent reduziert. Nach Angaben des Unternehmens können dadurch bis zu zehn Megawatt Netzkapazität freigesetzt werden.
Shell Recharge beginnt mit seinen Einschränkungen bereits eine Stunde früher. Seit dem 5. August wird die Leistung der Schnelllader an Shell-Tankstellen täglich zwischen 16 und 22 Uhr auf maximal 150 kW pro Ladestation begrenzt. An einzelnen Standorten geht der Betreiber noch weiter: Ladepunkte auf Tesco-Parkplätzen wurden vorübergehend vollständig abgeschaltet. Shell empfiehlt Elektroauto-Fahrern, Ladevorgänge nach Möglichkeit außerhalb der abendlichen Hauptlastzeit zu starten.
Metro deaktiviert seine Ladestationen an allen eigenen Märkten per Software. Die Ladepunkte stehen dort täglich zwischen 16 und 22 Uhr nicht zur Verfügung. Damit müssen Fahrer vor einer längeren Fahrt derzeit besonders genau prüfen, ob ein geplanter Ladepunkt tatsächlich verfügbar ist. Eine Lade-App oder das Navigationssystem kann dabei helfen, aktuelle Statusinformationen und alternative Standorte zu finden.
Höhere Preise sollen Laden verschieben
Der Anbieter EV.app, der von EV.analytica betrieben wird, setzt auf ein finanzielles Signal. Anstatt die Ladeleistung zu begrenzen, erhöht der Dienst den Preis für Ladevorgänge, die während der abendlichen Spitzenzeit gestartet werden. Vorübergehend werden dafür 420 Forint pro Kilowattstunde verlangt. Das entspricht nach der genannten Umrechnung etwa 1,16 Euro pro Kilowattstunde. Die höheren Kosten sollen Fahrer dazu bewegen, den Ladevorgang auf eine weniger stark belastete Tageszeit zu verschieben.
Ein ähnliches Prinzip wird auch bei zeitabhängigen Stromtarifen eingesetzt: Günstigere Preise in Nebenzeiten fördern einen flexibleren Verbrauch, während höhere Preise während der Lastspitze die Nachfrage reduzieren sollen. Titelfoto: pixabay


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