Vor allem mit seinem Verbrauch konnte der DS N°8 während unserer Testfahrten überzeugen, doch er offenbarte auch eine Schwäche. Der Abschlussbericht.
Nach dem chinesischen Preisbrecher Leapmotor B10 hat sich die Redaktion einem gänzlich anderen Kaliber zugewandt: dem DS N°8, dem Flaggschiff der einstigen Citroën-Nobeltochter. Getestet wurde die Long-Range-Version mit dem großen 97,2-kWh-NMC-Akku und in der niedrigeren der beiden Ausstattungslinien, Pallas. Hier nun der Abschlussbericht.
Hier finden Sie das Test-Tagebuch zum DS No8
Halten wir zunächst fest: Je länger man sich mit dem DS N°8 beschäftigt, desto mehr wächst die Wertschätzung für sein Design. Die Grundform folgt der geschwungenen Linie eines Coupés, wird aber vorn und hinten durch markante Kanten gebrochen – eine Kombination, die dem Wagen eine eigene Handschrift verleiht und ihn aus der Masse der elektrischen SUV-Coupés heraushebt. Im Innenraum setzt sich dieser Eindruck fort: Die Gestaltung wirkt modern und gefällig, allen voran der flach in die Armaturentafel integrierte Hauptmonitor, der dem Cockpit eine aufgeräumte, hochwertige Anmutung verleiht. Gewöhnungsbedürftig ist lediglich der Türöffnungsmechanismus über Griffe hinter den Türlautsprechern.

Bedienung: Nicht immer nur touchen
Erfreulich zurückhaltend fällt die Bedienphilosophie aus: Nicht alles wandert auf den Touchscreen. Auf der Mittelkonsole sowie unterhalb des Monitors finden sich physische Tasten für die Scheibenheizungen vorne und hinten, die Umluftfunktion und die Warnblinkanlage. Eine separate, mit einem Autosymbol markierte Taste erlaubt es zudem, per Zwei-Sekunden-Druck nach dem Start das obligatorische, aber lästige Tempowarnsignal (EU-Klingeln) abzuschalten – ein kleines, aber wirkungsvolles Zugeständnis an die Alltagstauglichkeit. Auch die Außenspiegel werden noch klassisch von Hand eingestellt.

Die vorderen Sitze wissen mit aufblasbaren Seitenwangen zu gefallen, die sich individuell an die Körpermaße anpassen lassen, sowie mit einem Nackenwärmer, der bei Bedarf warme Luft in den Nackenbereich bläst. Eine elektrische Lordosenstütze rundet den Komfort ab. Zwei Wermutstropfen bleiben allerdings: Eine Sitzbelüftung wird für den N°8 grundsätzlich nicht angeboten, und die Beinauflage fällt spürbar kurz aus. Auch beim beheizbaren Lenkrad zeigt sich DS knauserig – dieses ist nur im Rahmen eines Pakets der höheren Ausstattungsstufe Etoile zu haben.
Reichweite und Verbrauch: Realistischer als gedacht
Wer bei einem so großen batterieelektrischen Fahrzeug einen Frunk erwartet, wird enttäuscht – der DS N°8 verzichtet komplett darauf. Dafür überzeugt der Kofferraum: 621 Liter fasst die lange Ladefläche im Normalzustand, ergänzt um ein großzügiges Staufach für Ladekabel. Werden die dreigeteilten Rücksitzlehnen umgelegt, wächst das Volumen auf beachtliche 1.873 Liter. Auch die Zuladung von 520 Kilogramm sowie die Anhängelasten von 1.400 Kilogramm gebremst beziehungsweise 1.200 Kilogramm ungebremst können sich sehen lassen; Dach- und Stützlast liegen bei jeweils 80 Kilogramm. Im Fond sitzt es sich ordentlich, auch der mittlere Platz bietet ausreichend Platz.

DS verspricht für den Long Range nach WLTP zwischen 714 und 749 Kilometer Reichweite – Werte, die sich in der Praxis zwar so nicht bestätigen lassen. Nach einer vollständigen Ladung zeigte der Bordcomputer 655 Kilometer an. Das ist aber immer noch eine sehr komfortable Zahl. Auf der 100 Kilometer langen Testrunde der Redaktion ergab sich ein Durchschnittsverbrauch von 16,0 kWh – ein für die Fahrzeuggröße und das Gewicht von knapp 2,2 Tonnen durchaus beeindruckender Wert. Die im Bordcomputer ausgewiesenen 655 Kilometer bei voller Ladung erwiesen sich im Testverlauf als realistisch erreichbar. Denn letztlich kamen wir inklusive Ladeverlusten auf einen Schnitt von 18,7 kWh je 100 Kilometer.
Fahrverhalten: Komfortabel und überraschend agil
Zur Auswahl stehen drei Fahrmodi – Eco, Normal und Sport –, die sich spürbar voneinander unterscheiden und über eine schmale Taste auf der Mittelarmlehne angewählt werden. Die Rekuperationsstärke lässt sich bequem per Lenkradpaddel verstellen, wer möchte, kann den N°8 im One-Pedal-Modus bewegen.

Bereits mit dem konventionellen Stahlfahrwerk der Basisversion überzeugt der Franzose. Für ein Elektroauto sprechen die Dämpfer erstaunlich geschmeidig auf Stöße an, was dem Fahrzeug eine angenehme Ruhe und spürbaren Komfort verleiht. Gleichzeitig fühlt sich der N°8 auf kurvigen Straßen keineswegs unsicher an – im Gegenteil, er zirkelt neutral und mit stabiler Spurtreue durch Kurven. Unterstützt wird dieser positive Eindruck von einer straff abgestimmten, nicht einstellbaren Lenkung. Für die Allradversion, die ausschließlich in der Top-Ausstattung Etoile erhältlich ist, bietet DS zusätzlich eine „Active Scan Suspension“ an, die das Fahrwerk vorausschauend an die jeweilige Fahrbahnbeschaffenheit anpasst.
Laden: Der klare Schwachpunkt
Wenn es einen Bereich gibt, in dem DS deutlich nachbessern sollte, dann ist es das Laden. Mit nur 11 kW AC-Ladeleistung ist der N°8 angesichts seines fast 100 kWh großen Akkus schlecht aufgestellt – wer auf öffentlichen AC-Ladesäulen mit Blockiergebühren rechnen muss, wird die langen Standzeiten zu spüren bekommen. Ein 22-kW-Lader ist auch gegen Aufpreis nicht erhältlich.

Auch am Schnelllader enttäuscht der Franzose: Statt der versprochenen 160 kW erreichte der Testwagen bei einer Ausgangstemperatur von 18 Grad Celsius und aktivierter Akku-Vorkonditionierung lediglich eine Spitzenleistung von 133 kW, wobei sich die Ladekurve über weite Strecken bei rund 100 kW einpendelte. In der Folge dauerte der Ladevorgang von 15 auf 80 Prozent SoC 38 Minuten – deutlich länger als die von DS kommunizierten 27 Minuten für den Sprung von 20 auf 80 Prozent.
Positiv ist immerhin, dass sich die Akku-Klimatisierung sowohl manuell als auch automatisch beim Ansteuern einer Ladestation über das Navigationssystem sowie per App aktivieren lässt. Zur Schonung der Batterie lässt sich die Ladegrenze nur auf 80 oder 100 Prozent festlegen, eine Begrenzung des Ladestroms existiert hingegen nicht – AC wird, sofern möglich, stets mit voller 11-kW-Leistung geladen. Für längere Strecken steht eine EV-Routenplanung mit flexibler Ladestopp-Planung zur Verfügung.
Ausstattung und Preise

Bereits die getestete Ausstattungslinie Pallas ist üppig bestückt: Ein gutes Head-up-Display, Matrix-LED-Scheinwerfer im Rahmen des Tech-Pakets sowie sämtliche Fahrassistenzsysteme gehören zum Umfang. Die Top-Version Etoile legt mit 20-Zoll-Rädern sowie weiteren Materialien und Ausstattungsdetails nach. Wer möchte, kann alternativ auch zum kleineren 73,7-kWh-Akku greifen, denn wie sich zeigen sollte, denn auch dessen Reichweite fällt wegen des geringen Verbrauchs groß genug aus.
Kommen wir zu den Kosten. Preislich startet der DS N°8 mit dem kleineren Akku und Frontantrieb bei 58.300 Euro. Der Testwagen mit großem Akku in der Pallas-Ausstattung kostet 64.200 Euro brutto. Wer sich für die Allradversion mit Top-Ausstattung entscheidet, muss 76.000 Euro einplanen. Betriebskosten (TCO) weist des ADAC für die Baureihe leider (noch) nicht aus.
Erwähnenswertes gibt es bei den Garantien. DS gibt 3 Jahre Fahrzeuggarantie oder 100.000 Kilometer. Über das Programm DS Serenity wird diese kostenlos verlängert – vorausgesetzt, alle Wartungen werden lückenlos im offiziellen DS-Händlernetz nach Wartungsplan durchgeführt. Dadurch verlängert sich der Schutz auf bis zu 8 Jahre oder 160.000 Kilometer. Ebenfalls 8 Jahre oder 160.000 km gelten unabhängig von der Fahrzeuggarantie für den Akku.

Fazit: Der DS N°8 hinterlässt insgesamt einen sehr positiven Eindruck: ein eigenständiges Design, ein hochwertiger und durchdachter Innenraum mit einer gelungenen Mischung aus physischen Tasten und Touchbedienung, ein komfortables und zugleich dynamisches Fahrwerk sowie eine enorme, alltagstaugliche Reichweite bei niedrigem Verbrauch sprechen klar für das französische Flaggschiff. Der größte Kritikpunkt bleibt die Ladeleistung, die sowohl bei AC als auch bei DC hinter dem zurückbleibt, was man von einem Fahrzeug dieser Preisklasse und Akkugröße erwarten dürfte. Alles in allem bleibt der DS N°8 aber ein interessantes, eigenständiges Angebot im Premium-Segment der Elektro-SUV-Coupés. Titelfoto: DS Automobiles
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DS N°8 Long Range Pallas – Technische Daten:
Fünftüriges, fünfsitzige Limousine der Oberen Mittelklasse; Länge: 4,83 Meter, Breite: 1,92 Meter (mit Spiegeln: k.A.), Höhe: 1,57 Meter, Radstand: 2,90 Meter, Kofferraumvolumen 621 – 1.873 Liter, Anhängelast: 1.200/1.400 kg (ungebremst/gebremst), Dachlast 80 kg, Stützlast 80 kg.
Motor: Zwei permanenterregte Synchronmotoren mit 180 kW/245 PS, max. Drehmoment: 343 Nm, Hinterradantrieb, 0-100 km/h: 7,8 Sekunden, Vmax: 190 km/h, Verbrauch (WLTP): 15,9 – 16,8 kWh/100 km, Akkugröße: 102 kWh (nutzbar 97,2), Reichweite: 714 – 749 km (WLTP), Ladeleistung: 11 kW (AC)/160 kW (DC).
Messwerte: Max. Ladeleistung :AC: 11 kW, DC: max. 133 kW, Ladezeit von 15 auf 80 % SoC: 38 Minuten, durchschnittliche Ladeleistung: 100 kW, Testverbrauch: 18,7 kWh (inkl. Ladeverlusten), Testrunde (100 km): 16,0 kWh, Reichweite: ca. 600 km.
Bidirektionales Laden: V2L: ja (3,3 kW AC), V2H: nein, V2G: nein.
Preis: 64.200 Euro, Kosten je Km (ADAC): k.A., Kosten je Monat (ADAC): k.A.
Mängel am Testwagen: keine.

Niedriger Verbrauch
Große Reichweite
Elegantes Design
Übersichtliche Bedienung
Komfortables Fahren
EV-Ladeplanung
Shortcuts für Assistenten
HUD Serie

Schwache DC-Ladeleistung
Kein 22-kW-Lader
Keine Sitzbelüftung
Etwas kurze Beinauflagen


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