Im Testzeitraum von 14 Tagen fallen uns an einem Auto nicht nur viele Kleinigkeiten auf. Das Test-Tagebuch liefert einen Überblick. Der Kandidat: Nissan Micra Evolve (52 kWh).
28.09.2026: Nach dem eher luxuriösen DS Nᵒ8 stellt sich mit dem Nissan Micra nun ein Kleinwagen in der Redaktion vor. Er ist ein Vertreter jener Spezies, die die Elektromobilität in Käuferschichten populär machen soll, die möglichst wenig Geld für einen Neuwagen ausgeben wollen oder können. Deren günstigste Vertreter sind etwa der Citroen e-C3, Peugeot e-208/Opel Corsa Electric oder der jüngst präsentiert VW ID.Polo – und deren Gemeinsamkeiten sind die untere Preisgrenze von um die 25.000 Euro.

Den genannten e-C3 haben wir ja bereits im vergangenen Jahr getestet; nun also der Nissan Micra. Er stellt sich uns in der Version mit dem größeren, 52 kWh fassenden Lithium-Ionen-Akku sowie in der Topausstattung Evolve vor. Sie enthält vieles, was man auch aus höheren Klassen kennt: Jede Menge Assistenten bis hin zum Querverkehrswarner, lebhafte 110 kW (150 PS), dreiphasiges Laden und bietet sogar eine Anhängelast von 500 Kilogramm gebremst sowie ungebremst. Vor allem aber heimst er mit seinen runden Schweinwerfern und dem anheimelnden Design jede Menge Sympathiepunkte ein.

Für den großen Akku – es gibt auch einen mit 40 kWh – gibt Nissan eine Reichweite von 416 Kilometer und einen Verbrauch von 14,7 kWh je 100 Kilometer laut WLTP an. Wie so oft sieht man schon an diesen Verbrauchsangaben, dass die Reichweite nicht zu schaffen ist. Wir werden diese ermitteln.
Nissan Micra: Los geht´s bei 27.990 Euro
Los geht es in der Preisliste bei der Ausstattungsvariante Engage und kleinem Akku mit 27.990 Euro. Dafür gibt es aber schon die wichtigsten Assistenten sowie eine Wärmepumpe. Für 29.900 Euro kann man die nächsthöhere Stufe Advanced erwerben: Diese gibt es sowohl mit dem kleinen als auch dem großen Akku, und sie bietet zusätzlich unter anderem 12 Parksensoren vorne und hinten, einen adaptiven Geschwindigkeitsassistent, besseres Infotainment, 4 Fahrmodi, Mittelarmlehne und Google-Anbindung.
Unsere Stufe Evolve kommt mit dem großen Akku, kostet 34.900 Euro und kann unter anderem mit intelligenten Fahrfunktionen wie Stau- und Lenkassistent, Harman/Kardon-Anlage und Winterpaket aufwarten. Und wie wir bei den ersten Fahrten feststellten mit einer guten Verarbeitung, unterschäumten Flächen im Sichtbereich und übersichtlicher Bedienung.
Erste Erkenntnis: Man fühlt sich schnell wohl in dem kleinen und handlichen Flitzer, und so machen wir uns auf zur Verbrauchsrunde.
30.09.2026: Nun haben wir die ersten Strecken im Micra hinter uns und möchten sagen, dass die zurückgelegten Kilometer durchaus angenehm verliefen. Die Sitzposition hinter dem handlichen Volant passt auch für größere Fahrer; es gibt sogar eine elektrisch verstellbare Lordosenstütze. Die Kopffreiheit bemisst sich üppig. Etwas gewöhnungsbedürftig sind lediglich die vielen Hebel hinter dem Lenkrad für Blinker/Licht (links), Getriebe, Radio und Scheibenwischer (rechts). Zudem gibt es zwei Paddels für die Einstellung der Rekuperation, wobei die letzte Stufe das One-Pedal-Driving ermöglicht.

Ein weiterer Button am Lenkrad verstellt die Fahrmodi von Sport über Komfort zu Eco – die wichtigsten Einstellungen sind also direkt zu erreichen, ohne dass man vom Blick auf den Monitor abgelenkt wird. Wir genießen das. Denn auch für die Klimaeinstellungen finden sich Tasten unterhalb des zentralen Monitors. Und so wundert es nicht, dass sich auch einige Assistenten sowie das Euro-Klingeln per zweifachem Druck auf eine Taste links am Armaturenbrett flugs ausschalten lassen. Selten haben wir uns in einem Testwagen so schnell zurecht gefunden.
Verbrauch: 14,5 kWh je 100 Kilometer
Nissan gibt den Normverbrauch des Micra mit 14,7 kWh je 100 Kilometer an. Auf unserer Testrunde (Stadt/Land/Autobahn) über 100 Kilometer kamen wir auf einen Schnitt von 14,5 kWh. Dabei sei anzumerken, dass Autobahnstrecken in Sachen Verbrauch den Schnitt nach oben treiben, auf Kurzstrecken sinkt der Verbrauch auf indes unter 14 kWh. Dann sollten auch Reichweiten von 350 Kilometern möglich sein. Auf Autobahnen sollte man eher mit 250 Kilometern kalkulieren.
Zwei Dinge sind uns indes aufgefallen: Über den Türen fehlen sowohl vorne als auch hinten Haltegriffe für die Passagiere, und die Türtaschen nehmen keine Flaschen auf.
02.10.2026: Kleines Update in Sachen Verbrauch: Im Verlauf unserer Fahrten – zumeist auf kürzeren Strecken und im Stadtverkehr – hat der Stromkonsum des Micra die Marke von 14 kWh je 100 Kilometer unterschritten. Leser berichten zudem von Verbräuchen um die 11 kWh im Stadtverkehr. Das erscheint uns realistisch. Für Autobahnfahrten sollte man eher Richtung 17 kWh kalkulieren – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Reichweite.

Doch wenden wir uns nun dem Thema Laden zu. Wie erwähnt verfügt der Charmebolzen über einen 11-kW-Lader für AC-Quellen und soll an Schnellladern bis 100 kW Strom aufnehmen können. Sie zu finden ist einfach: Das auf Google basierende Navigationssystem filtert den gewünschten Ladepartner zuverlässig heraus und aktiviert die Akku-Konditionierung. Manuell kann man sie nicht starten. Es nennt für die Routen übrigens nicht nur den SoC am Ziel, sondern auch den für die Rückfahrt. Vorbildlich. Den AC-Ladestrom begrenzen kann man leider nicht; lediglich eine Höchstgrenze für den Füllstand vorgeben.
Durchschnittliche Ladeleistung 70,8 kW
Wir kamen bei sonnigen 19 Grad an einer 150-kW-EnBW-Ladestation an – Wohlfühltemperaturen für den Akku. Und so erreichte die Ladekurve das Maximum von 100 kW fast, fiel danach aber gleichmäßig bis kurz vor 80 Prozent SoC ab. Dann folgte ein abrupter Ladeabbruch, der darin begründet lag, dass wir die Zündung einschalteten. Das verstand die Elektronik wohl als Ladeende und brach die Stromaufnahme ab, was natürlich von Nachteil ist, wenn man im Auto wartet und auf die Klimaanlage angewiesen ist.

Wie dem auch sei: Die üblichen 30 Minuten von 15 auf 80 Prozent hat der Micra erreicht, auch wenn die 100 kW nur kurz gehalten werden konnten. Die durchschnittliche Ladeleistung lag bei für einen Kleinwagen recht ordentlichen 70,8 kW. So lässt sich konstatieren, dass man mit dem Micra durchaus auch längere Strecken unter die Räder nehmen kann. Denn die Routenführung über eine längere Strecke besitzt eine EV-Routenplanung mit einer flexiblen Planung der Ladestationen.
05.10.2026: Werfen wir abschließend noch einen Blick auf das Auto selbst. Auf einer Länge von knapp vier Metern finden bis zu fünf Personen Platz, wobei der hinten in der Mitte nur als Notfallsitz bezeichnet werden kann. Längere Fahrten sind dort nicht zu empfehlen. Auch auf den äußeren Plätzen ist die Beinfreiheit nicht allzu üppig bemessen. Der Kofferraum fasst 326 Liter, und wenn man die Rücksitzlehnen umlegt passen bis zu 1.106 in den Micra – allerdings mit Stufe. Und beim Entladen muss man eine etwa 20 Zentimeter hohe Ladekante überwinden. Einen Frunk gibt es nicht.
Der Motor mit seinen 110 kW erweist sich als erfreulich spritzig und passt zum Stadtflitzer-Image des Charmeurs auf vier Rädern. Das Fahrwerk sorgt für einen ausgewogenen Kompromiss aus Komfort und Stabilität, wirkt lediglich auf kurzen Unebenheiten bisweilen etwas störrisch. Die Lenkung ist angenehm direkt und vermittelt ein gutes Gefühl für die Fahrbahn.
Kofferraum: 326 Liter und hohe Ladekante

Erwähnenswert ist noch der flache, aber wuchtige Fahrzeugschlüssel, der fast so groß ist wie ein Handteller und in der Hosentasche ob dieser Abmessungen doch ein wenig stört; zum Glück muss man ihn zum Ein- und Aussteigen nicht hervorkramen, denn die Türen öffnen und schließen sich bei Annäherung beziehungsweise wenn man sich entfernt mit einem lauten Klacken.
Vorbildlich ist die Bedienung. Wie wir bereits in vorherigen Einträgen geschildert haben und nach Ende der Testzeit festhalten möchten lenkt sie sehr wenig vom Straßengeschehen ab, da viele häufig genutzte Funktionen auf Tasten liegen oder sich per Hebel hinter dem Lenkrad erledigen lassen. Der verständige Sprachassistent erledigt den Rest. Und wenn mal was per Monitor erledigt werden muss bieten sich große Touchflächen.
So ist man gerne unterwegs mit dem Micra: Wenig Geklingel, keine übergriffigen Assistenten, klasse Bedienung, spritzig, wendig und in der Stadt und auf der Landstraße sparsam. So relativiert sich der Preis von knapp 35.000 Euro für die Topausstattung des Nissan Micra. Irgendwie ein Gute-Laune-Auto.


Add a Comment