Im Testzeitraum von 14 Tagen fallen uns an einem Auto nicht nur viele Kleinigkeiten auf. Das Test-Tagebuch liefert einen Überblick. Der Kandidat: Togg T10X.
09.07.2026: In der Redaktion stellt sich dieser Tage ein besonderer Kandidat vor: der Togg T10X, das erste türkische Auto. Wir haben an anderer Stelle schon über den Werdegang der Marke berichtet und sind nun gespannt, wie sich das 4,60 Meter lange SUV in der Praxis schlägt.
Bevor wir zum Auto kommen, werfen wir noch einen Blick auf die Marke Togg. Diese wurde Mitte 2018 gegründet. Ein Jahr später wurden die ersten Prototypen vorgestellt, der T10X und die Limousine T10F. Hinter Togg stecken Schwergewichte aus der türkischen Wirtschaft. Fünf Industrie-Riesen, jeweils die größten in ihren Branchen, haben sich zu einem Konsortium mit dem Namen Türkiye`nin Ottomobili Girişim Grubu zusammengeschlossen und verzichten 15 Jahre auf jegliche Dividende. Umgerechnet investierten sie rund 3,5 Milliarden Euro. Soweit der Background.

Doch nun zum T10X. Dieser soll nicht als „einfaches“ Auto verstanden werden, sondern als fahrender Supercomputer. Daher wird der T10X in der Unternehmenskommunikation häufig als „Device“, als „dritten Lebensraum“, bezeichnet. Das erhebt Anspruch und lässt erahnen, dass man zunächst einiges an Einarbeitung in das elektronische System und dessen Bedienung investieren muss.
Togg T10X: Fünf Monitore im Innenraum

Doch bevor wir dieser Tage tiefer eintauchen in dieses Thema sei noch erwähnt: Die Plattform des T10X ist modular aufgebaut und für weitere Modelle skalierbar. Togg hat zwei Lithium-Ionen-Akkus mit 52,4 kWh und 88,5 kWh im Angebot, die Reichweiten geben die Türken mit 314 beziehungsweise 523 Kilometer an.
Die Besonderheit aller Varianten liegt in den vier nebeneinander angeordneten Monitoren, die sich über die gesamte Fahrzeugbreite ziehen. Deren Inhalte lassen sich über einen weiteren Monitor weiter unten je nach Belieben bestimmen oder auch verschieben.
Für jeden Nutzer des Fahrzeugs wird per Gesichtserkennung ein Profil angelegt und die Konfiguration entsprechend angepasst. Notwendig ist dafür ein Nutzerkonto in einer App namens Trumore. Dieses Ökosystem wird über die hauseigene App Trumore von den „Toggern” gefüttert. Mit Truemore lassen sich automatisch die Maut bezahlen, Ladevorgänge organisieren und abrechnen, Parkplätze reservieren, Hotels buchen oder Restaurants reservieren – natürlich alles “over-the-Air” aktualisierbar.
Ist die App nicht vorhanden (wie in unserem Fall), muss man sich über einen ersten Druck auf den Starterknopf und den Monitor anmelden. Erst dann kann gestartet werden. Davon berichten wir im nächsten Tagebuch-Eintrag.
10.07.2026: Nun aber zum Auto. Unser Testwagen ist der T10X in der Version V2 AWD, also das Topmodell mit 320 kW. Alle anderen Varianten besitzen „nur“ 160 kW. Doch vor den Pferdestärken braucht sich niemand zu fürchten, denn die Abstimmung des Strompedals lässt sie sehr dosiert von der Leine, auch im Sportmodus. Und so haben wir uns auf unsere Verbrauchsrunde gemacht.

Laut Datenblatt soll der Allradler 21,9 nach WLTP konsumieren, seine Höchstgeschwindigkeit ist bei 185 km/h abgeregelt. Den Sprint auf 100 km/h schafft er in 4,8 Sekunden. Das Fahrwerk ist recht soft angestimmt, setzt mehr auf den Fahrkomfort und ruhiges Gleiten. Wer Fahrdynamik sucht, ist im Togg fehl am Platz.
Die Rekuperationstasten finden sich am vorderen Ende der mittleren Armauflage und lassen sich auch da gut erreichen. Die Energierückgewinnung stellen wir während unserer Fahrt auf Segeln, denn dann ist überschüssige Energie am besten genutzt. Zudem fahren wir die Hälfte der Strecke im Eco-Modus.
Verbrauch auf der Testrunde: 22,2 kWh
So kommen wir auf einen Schnitt von 22,2 kWh, was für ein SUV noch okay ist und nur knapp über der WLTP-Angabe liegt. Auf einer Autobahntour dürfte der Verbrauch höher ausfallen – auch das werden wir noch erfahren. Die Platzverhältnisse sind vorne großzügig bemessen, auch große Menschen finden eine auskömmliche Sitzposition auf dem Fahrerplatz. Wir hätten uns gewünscht, dass sich das Lenkrad auf der axialen Achse ein wenig weiter verstellen lässt.

Klar, dass auch die Top-Ausstattung 4More verbaut ist. Sie umfasst viele Goodies bis hin zur Sitzheizung für die äußeren Fondsitze; eine Lenkradheizung ist aber nicht vorgesehen. Ebenso wenig ein Head-up-Display. Dafür gibt es ein Panorama-Dach. Die Materialien im Innenraum hinterlassen einen guten Eindruck, viele Flächen sind überschäumt, es findet sich aber auch eher unschöne Hartplastik-Flächen.
Werfen wir noch einen Blick auf den Preis: In der Basisausführung mit 160 kW und großem Akku kostet der Togg T10X 40.118 Euro, unser Testwagen schlägt mit 49.200 Euro zu Buche.
14.07.2026: Werfen wir einen Blick auf die Räumlichkeiten und die Bedienung des T10X, in die wir uns nun einigermaßen erfolgreich eingearbeitet haben. Letztlich ist sie wenig intuitiv und bisweilen ein wenig nervig. Wie etwa beim Parken: Bevor man Motor und Elektronik abschaltet, muss man die Parken-Taste seitlich am Getrieberad etwas länger als üblich drücken. Erst im Parkmodus reagiert die Start-Stopp-Taste. Und das Radio muss man bei jedem Neustart einschalten – und zwar per zweimaligem Tastendruck.
Nicht eben intuitiv funktioniert auch die Eingabe von Zielen im Navi. Zunächst sei erwähnt, dass der Sprachassistent keine Hilfe ist, denn er versteht wirklich kaum etwas. Also erfolgt die Zieleingabe per Tasten, die sich auf dem unteren Display zeigen. Danach wird man gefragt, ob man Ladestopps integrieren will, und dann geht’s los. Da freut es einen doch, dass man das EU-Klingeln und auch den bisweilen etwas nervösen Lane Assist per Shortcut abstellen kann. Und Togg verspricht auch, mit einem OTA-Update eine Taste einzuführen, die alle (als nervig empfundenen) Assistenten ausschaltet.
Auf der Autobahn um die 25 kWh

Ansonsten merkt sich der Togg alle Einstellungen über die Trumore-App und erleichtert die Bedienung. Wie sehr, das konnten wir nicht ausprobieren, da wir die App nicht einsetzen konnten, da es sich um ein Pressefahrzeug handelte.
Doch zurück zur Hardware. Das Gestühl im T10X ist ebenso wie das Fahrwerk sehr komfortabel ausgelegt. Auf unserer längeren Autobahntour konnten wir hieran keine Kritikpunkte finden. Der Fahrer kommt zudem in den Genuss einer Lordosenstütze. Bei den derzeit heißen Temperaturen hätte wir uns eine Sitzlüftung gewünscht, die aber nicht angeboten wird. Hinten genießen Fondpassagiere ein gutes Auskommen (und Sitzheizung), wenn auch die Beinfreiheit nicht überragend ausfällt.
Mit 414 bis 1.515 Liter fällt der Laderaum nicht sonderlich groß aus, was an der Federbeindom-Verkleidungen liegt, die die Ladebreite einschränken. Zum Vergleich: Der zwei Zentimeter kürzere VW ID.4 bietet 543/1.575 Liter. Die Rücksitzlehnen lassen sich im Verhältnis 60:40 umlegen. Unter dem Ladeboden findet sich ein Staufach für Kabel. Einen Frunk gibt es nicht, immerhin aber ein Handschuhfach.
Wie erwartet konnten wir den Verbrauch nach der Fahrt auf unserer Testrunde (22,2 kWh) auf der Autobahn nicht halten. Hier muss man mit Verbräuchen um die 25 kWh kalkulieren – je nachdem, wie schnell man unterwegs ist. So verkürzt sich die Reichweite (im Sommer) auf etwa 300 bis 350 Kilometer.
So, und nun fahren wir laden – und sind gespannt.

16.07.2026: Bevor wir näher auf die Ladeperformance eingehen sei erwähnt, dass der Togg nicht über eine Wärmepumpe verfügt, auch nicht gegen Aufpreis. Verbaut ist hingegen ein elektrischer Zuheizer, der mehr Energie als eine Wärmepumpe verbraucht und damit die Reichweite schmälert. Das dürfte im Winter spürbar sein.
In diesen Tagen stört uns das freilich nicht, wir machten uns bei optimalen 25 Grad Celsius auf den Weg zum Schnelllader, bei dem wir mit einem Rest-Soc von 11 Prozent ankamen. Positiv: Das Navi weist diesen bei der Routenplanung aus. Negativ: Über eine Akku-Klimatisierung verfügt der T10X nicht; im Winter dürfte die Ladeleistung deutlich leiden.
Bei den erwähnten 25 Grad natürlich nicht, und so erreichte der Togg sein in den Daten ausgewiesenes Lade-Maximum schon nach wenigen Sekunden (siehe Chart). Dort verharrt die Kurve aber nicht allzu lange und pendelte sich bei 101 kW ein. Letztlich benötigte der Lader 34 Minuten, um die 89 kWh große Batterie von 15 auf 80 Prozent SoC zu füllen. Das ist okay und liegt nur wenig über den Vorgaben von 28 Minuten.
Laden: 15 auf 80 Prozent SoC in 34 Minuten

Angemerkt sei noch, dass man zwar den Ladestand des Akkus begrenzen kann, nicht aber die Ladeleistung; der Togg lädt AC stets mit 11 oder 22 kW – je nachdem, was die Säule hergibt. Grundsätzlich verfügen alle Z10X-Modelle über einen 22-kW-Lader.
Erwähnt sei noch, dass der Togg keine Anhängelast ausweist. Der Gesamtverbrauch des Togg T10X pendelte sich letztlich – inklusive Ladeverlusten – bei 25,6 Kilowattstunden je 100 Kilometer ein.
So weit unser Test-Tagebuch. Im Abschlussbericht ziehen wir Bilanz und gehen auf Preise und Betriebskosten näher ein.


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