In der zweiten Generation hat der Toyota bZ4X viele Schwächen abgelegt. Vor allem fährt er recht sparsam. Der Fahrbericht.
Toyota hat sich erfolgreich in die E-Mobilität eingearbeitet. Wie wir schon im Test-Tagebuch erläutert haben, stellt die zweite Generation des Toyota bZ4X einen enormen Sprung nach vorn dar. Irritierte die erste Generation noch mit langsamem Schnellladen und fehlender E-Routenplanung, haben die Japaner diese Schwächen nun ausgeräumt, wie wir erfahren durften.
Doch der Reihe nach. Zum Test angetreten war der bZ4X in der Topversion Lounge 4×4 mit großem, 73 kWh (netto 69 kWh) fassenden Akku sowie einer Leistung von 252 kW (343 PS). Damit schafft er den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h in 5,1 Sekunden und ermöglicht eine Reichweite von 515 Kilometer laut WLTP. An dieser Stelle müssen wir eine Berichtigung vornehmen: Im Test-Tagebuch haben wir die Reichweite mit 471 Kilometer benannt.

Zum Vergleich: Die Basisversion Comfort bietet einen netto 54 kWh großen Akku, 123 kW Leistung und eine Reichweite von 414 Kilometern. Die mittlere Variante bietet 165 kW, den großen Akku sowie 568 Kilometer Reichweite. Bei den kombinierten Verbrauchsdaten liegen die beiden kleineren Versionen mit 13,5 kWh gleichauf, während der AWD mit 14,5 bis 15,9 kWh auf 100 Kilometer angegeben wird.
Der Allrad lädt AC mit 22 kW

Doch damit sind die Renovierungsmaßnahmen noch nicht alle benannt. Der nun zur Prüfung angetretene bZ4X in der Topversion Lounge und mit Allradantrieb lädt an AC-Quellen mit 22 kW und saugt an DC-Ladern mit bis zu 150 kW. Damit soll die Ladung von 10 auf 80 Prozent in 28 Minuten gelingen. Zudem gibt es nun eine Batteriekonditionierung. Dazu später mehr.
Auch äußerlich hat sich der Japaner verändert: Die Scheinwerfer sind nun schmaler, eingerahmt von dünnen Leuchtleisten für Tagfahrlicht und Blinker, der Hauptscheinwerfer ist in den neuen Stoßfänger gewandert. Die bislang unlackierten und kratzempfindlichen Verkleidungen um die Radhäuser präsentieren sich fortan hochglänzend schwarz. Zusammen mit den aerodynamischen Optimierungen am Unterboden verbessert sich der Cw-Wert von 0,29 auf 0,27.
Durchaus ansprechend ist das Fahrverhalten. Die Federung findet einen guten Mittelweg zwischen Komfort und Sport, die Lenkung vermittelt ein gutes Gefühl für die Straße. Motor- und Fahrgeräusch werden wirkungsvoll ausgeblendet. Vor allem aber entfaltet der kräftige Motor enorme Zugkraft, wenn man das Strompedal ein wenig fester berührt. Das alles ergibt einen schönen Mix, ein gutes Fahrgefühl und vermittelt Sicherheit.
Strahlungsheizung statt Handschuhfach

Allerdings fiel uns beim Einsteigen ein recht starker chemischer Geruch von entgasendem Plastik auf, so dass wir erstmal durchlüften mussten. Das mag daher rühren, dass der Testwagen erst 1.400 Kilometer auf der Uhr hatte und sich im Innenraum auch einiges an Plastikmaterialien findet. Die sind bisweilen überschäumt, oft aber auch nicht. So richtig heimelig ist das Ambiente nicht.
Das zweite Auffällige ist der Fahrermonitor, der – ähnlich wie bei Peugeot – oberhalb des Lenkrads platziert ist. Da sich dieses weit nach unten fahren lässt gelingt der freie Blick auf dessen Anzeigen problemlos. Der zentrale Monitor in der Mitte ist von 12,3 auf 14 Zoll gewachsen und bestens ablesbar. Allerdings verwundert, dass er keine Übersichtsansicht (Home-Bildschirm) bietet, wie man es mittlerweile gewohnt ist. Zwar ist im unteren Teil die Klimatisierung eingeblendet, doch im darüber liegenden muss man entscheiden, welche Funktion man sehen möchte.
Und noch eine Besonderheit: Statt eines Handschuhfachs befindet sich im bZ4X eine Strahlungsheizung im vorderen Fußraum, die bei kalten Temperaturen den Innenraum (sparsamer) aufzuheizen hilft und die Beine/Füße von Fahrer und Beifahrer wärmt. Ausprobieren konnten wir das nicht. Wir vermissten nur das Handschuhfach.
Rekuperation in vier Stufen

Hinter dem kleinen Lenkrad finden sich nun Paddels zur Verstellung der Rekuperation in vier Stufen; das One-Pedal-Driving ermöglichen sie aber nicht. Nach jedem Neustart befindet sich die Rekuperation im Segel-Modus. Verschiedene Fahrmodi gibt es nicht; lediglich eine Eco-Taste, die das Ansprechverhalten des Strompedals verändert.
Ein Thema ist freilich stets das EU-Klingeln, das im Toyota allerdings so zurückhaltend erfolgt, dass man es gut überhören kann. Will man es abschalten, muss man ins Menü eintauchen, einen Shortcut gibt es nicht. Schade, denn über eine Taste auf dem zentralen Monitor erreicht man schnell verschiedene Funktionen, um diverse Assistenten zu bedienen; leider nicht das EU-Klingeln.
Im Heck kann der 4,69 Meter lange bZ4X 452 Liter Gepäck bunkern, legt man die Rücksitze um, passen nicht gerade üppige 1.026 Liter hinter die große und elektrisch betriebene Heckklappe. Wer mehr benötigt kann zum Kombi greifen. Die Anhängelast beträgt gebremst 1.500 kg, ungebremst 750. Die Stützlast beträgt 75 kg. Einen Frunk gibt es nicht.
Gesamtverbrauch 19,0 kWh je 100 Km
Kommen wir nun zu den Messdaten. Auf unserer 100 Kilometer langen Verbrauchsfahrt ermittelten wir bei einer Temperatur von um die 20 Grad einen Verbrauch von 16,7 kWh, was sich letztlich auch mit dem vom Bordcomputer angegebenen Alltagsverbrauch deckte. Laut WLTP-Norm liegt der Verbrauch zwischen 14,5 und 15,9 kWh. Nach Auswertung der Ladedaten inklusive Ladeverlusten kamen wir auf einen Gesamtverbrauch von 19,0 kWh je 100 Kilometer – für ein BEV dieser Fahrzeugklasse ein guter Wert.
Verbessert hat sich die Ladeperformance. Zunächst gilt es festzuhalten, dass der Testkandidat die avisierten 400 Kilometer bis zum Ladestopp problemlos geschafft hat – dem Restkilometerzähler ist also durchaus zu trauen. Und bei der HPC-Säule sind wir mit 13 Prozent Rest-SoC angekommen, wir hätten also noch ein paar Kilometer fahren können.

Der Toyota verfügt wie erwähnt über eine Vorheizung/Kühlung, die sich bei Eingeben eines Ladepunktes aktiviert. Auch eine manuelle oder eine zeitgesteuerte Aktivierung ist nun möglich. So landeten wir nach längerer Fahrt bei satten 35 Grad im Schatten an der EnBW-Säule.
Sicherlich ist es der hohen Temperatur geschuldet sowie der Tatsache, dass wir die Klimaanlage während des Ladens laufen ließen, dass die Ladekurve einen ungewöhnlichen Ladeverlauf protokollierte. Dabei sei zu bemerken, dass der bZ4X den Ladeklimax bei 138 kW erreichte und diesen auch einige Minuten durchhielt, bevor er absackte und im Zickzack auf niedrigerem Niveau fortfuhr.
Ladetempo: 34 Minuten von 10 bis 80 Prozent
Die Ladeanzeige im Auto zeigt nicht nur die gegenwärtige Ladeleistung an, sondern auch eine maximal erreichbare Leistung, die sich stets etwa 10 bis 20 kW oberhalb der realen Ladeleistung hielt. Der Nutzen dessen hat sich uns nicht recht erschlossen. Schließlich erreichte der Akku den 80-Prozent-Ladestand nach 34 Minuten, also im Rahmen dessen, was viele andere Testkandidaten auch leisteten. Die durchschnittliche Ladeleistung lag bei 80,5 kW.

Zudem besitzt der bZ4X nun eine Ladeplanung für die Langstrecke und macht Vorschläge für den nächsten Ladestopp, doch diese schienen eher wahllos gewählt und nicht recht auf den Füllstand des Akkus abgestimmt. Auch nach Anbieter sortieren lässt sich diese Planung nicht.
Kommen wir zu den Kosten. Während die Basisvariante Comfort bei moderaten 42.990 Euro startet, schlägt der Kauf des Lounge-Modells 4×4 mit 55.990 Euro zu Buche. Die mittlere Variante kostet 47.990 Euro. Unser Testkandidat kam mit der Lackierung „Emotional Red Metallic“ (1.090 Euro) auf einen Endpreis von 57.080 Euro.
Betriebskosten: 83,8 Cent je Kilometer
Der ADAC beziffert die Betriebskosten für das Topmodell mit 83,8 Cent je Kilometer oder 1.047 Euro im Monat (5 Jahre/75.000 Kilometer). Die Garantien betragen 3 Jahre oder 100.000 Kilometer auf das Fahrzeug und acht Jahre/160.000 Kilometer für den Akku.

Fazit: Der bZ4X hat sich im Vergleich zur ersten Generation enorm gemausert, bietet nun eine ordentliche Reichweite und Features wie eine Akkukonditionierung und fährt recht sparsam. Auch die Assistenten verrichten ihren Dienst ordentlich. Bei einigen Details wie der E-Routenplanung oder einem Home-Bildschirm sollte man aber noch einmal Hand anlegen. Auch ein Frunk oder ein Handschuhfach wären praktisch. Titelfoto: Toyota
Hier geht´s zum Test-Tagebuch des Toyota bZ4X Lounge 4×4.
Toyota bZ4X Lounge 4×4 – Technische Daten:
Fünftüriges, fünfsitziger Crossover der Kleinwagenklasse; Länge: 4,69 Meter, Breite: 1,86 Meter, Höhe: 1,165 Meter, Radstand: 2,85 Meter, Kofferraumvolumen 452 – 1.026 Liter, kein Frunk, Anhängelast: 1.500/750 kg (gebremst/ungebremst), Dachlast 75 kg, Stützlast 75 kg.
Motor: Zwei permanenterregte Elektromotoren mit 252 kW/434 PS, Drehmoment: 337 Nm, Allradantrieb, 0-100 km/h: 5,1 Sekunden, Vmax: 160 km/h, Verbrauch (WLTP): 14,5 – 15,9 kWh/100 km, Akkugröße: 73 kWh (nutzbar 69 kWh), Reichweite: 515 km (WLTP), Ladeleistung: 22 kW (AC)/100 kW (DC), Ladedauer DC: 10-80 % in 28 Minuten.
Messwerte: Max. Ladeleistung AC: 22 kW, DC: max. 138 kW, Ladezeit von 15 auf 80 % SoC: 34 Minuten, durchschnittliche Ladeleistung: 80,5 kW, Testverbrauch: 19,0 kWh, Testrunde (100 km): 16,7 kWh, Reichweite: ca. 350 km.
Preis: 55.990 Euro, Kosten je Km (ADAC): 83,8 Cent, Kosten je Monat (ADAC): 1.047 Euro.
Mängel am Testwagen: keine.

Sparsam
22-kW-AC-Lader
Kraftvoll
Leise
Allradantrieb
Rekuperationspaddels

Kein Frunk
Kein Handschuhfach
Recht teuer
Kein One-Pedal-Driving


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