E-Auto-Pläne

Überblick: Die E-Auto-Pläne der Hersteller

Alle Marken entwickeln und bauen unter Hochdruck reine Elektroautos (BEV). Ein Überblick: Was von wem zu erwarten ist.

So viel steht fest: Gegen Ende des Jahrzehnts dürften in Europa kaum noch Neuwagen mit Diesel- oder Ottomotor zu bekommen sein. Denn nahezu alle etablierten Hersteller entwickeln unter Hochdruck rein elektrisch betriebene Modelle. Und die nicht etablierten – wie etwa die chinesischen Marken, die dieser Tage hierzulande starten oder bereits am Markt vertreten sind – setzen sowieso ausschließlich auf Stromer.

Ganz klar: Der Blick auf die zuletzt veröffentlichten Absatz-Pläne der Autohersteller belegt den Umstand, dass die Verbrenner einen schweren Stand haben werden, zumal wenn die Spritpreise wie im Moment steigen. Doch welche Modelle sind zu erwarten, und welche Strategien verfolgen die einzelnen Hersteller? Wir haben eine Übersicht aller Marken mit mindestens einem Prozent Marktanteil in Deutschland zusammen getragen.

A6 e-tron

So könnte der Audi A6 e-tron aussehen. Foto: Audi

Audi: Mit 16 rein batteriebetriebenen Modellen oder Modellvarianten zählt die feine VW-Tochter bereits heute zu den größten E-Autoanbietern. Weitere Typen sollen in den nächsten Jahren auf der gemeinsam mit Porsche genutzten PPE-Plattform entstehen, die die Entwicklung neuer Modelle stark beschleunigen soll. Bis die Marke in Europa komplett elektrisch ist, soll es aber noch bis 2033 dauern. Wichtige kommende Modelle: Audi Q6 E-Tron (Mittelklasse-SUV, Ende 2022), Audi Grandsphere/Landjet (Oberklasselimousine, 2024).

BMW: Mit dem i3 waren die Bayern vor knapp einem Jahrzehnt Elektro-Avantgarde. Seitdem haben Zugkraft und Begeisterung in München nachgelassen. Heute gibt BMW bei der E-Mobilität eher den Skeptiker, bis 2025 rechnet man in Europa mit einem E-Anteil von 25 Prozent, bis 2030 mit 50 Prozent. In beiden Fällen zählen Plug-in-Hybride mit. Trotz der vergleichsweise wenig ambitionierten Ziele wird die E-Autopalette aktuell kräftig ausgebaut. Wichtige kommende Modelle: BMW i7 (Oberklasselimousine, Ende 2022), BMW i5 (Businesslimousine, 2023).

Citroen: Im Stellantis-Markenmix nimmt Citroen neben Fiat die Position des günstigen Basisanbieters ein. Die tendenziell teuren E-Autos sind da aus Vertriebssicht nicht immer erste Wahl, weshalb die Marke bislang wohl auch kein konkretes Datum für den Verbrennerausstieg nennt. Irgendwann zwischen 2028 und 2030 dürfte es aber so weit sein. Wichtige kommende Modelle: Citroen e-C3 (Kompaktlimousine, 2023), Citroen e-C5 Aircross (2024).

Fiat: Bis 2027 rein elektrisch

sparsamsten

Erstes Dacia-E-Modell: der Spring. Foto: Dacia

Dacia: Für Dacia ist die Elektrifizierung ein schwieriges Geschäft, lassen sich teure Batterien und günstige Einstiegspreise doch nur schwer kombinieren. Prinzipiell sind die Rumänen zwar mitgemeint, wenn Renault ankündigt, bis 2030 zur reinen E-Automarke in Europa werden zu wollen. Der Konzern behält sich jedoch je nach Lauf der Entwicklung vor, der Budget-Tochter auch noch länger Verbrennermodelle zu gestatten. Wichtige kommende Modelle: Dacia BEV (Kleinwagen, 2024).

Fiat: Mit dem Kleinstwagen 500e haben sich die Italiener zuletzt stark im E-Geschäft zurückgemeldet. Bei den künftigen Modellen dürfte die Marke aber auf die Technik der neuen Konzernmutter Stellantis zurückgreifen statt auf eigene Antriebe. Das allerdings wird die Transformation wohl stark beschleunigen – bereits ab 2027 will Fiat rein elektrisch sein. Wichtige neue Modelle: Fiat Centoventi (Kleinwagen, 2023).

Ford: Mit der mutigen Ankündigung, bis 2030 rein elektrisch zu werden, hat der Europa-Arm des US-Konzerns im vergangenen Jahr alle überrascht. Nicht zuletzt, weil bislang bis auf das SUV Mustang Mach-E kein Batterieauto der Marke zu haben ist. Das soll sich jedoch schnell ändern, wenn im kommenden Jahr im Kölner Werk die Stromer-Kooperation mit VW greift. Wichtige kommende Modelle: Ford E-Crossover (Kompakt-SUV, 2023).

Hyundai: Starke Position

E-Auto-Pläne

Die elektrische Zukunft Hyundais. Foto: Hyundai

Hyundai: Mit alltagstauglichen und vergleichsweise günstigen E-Modellen für Jedermann haben sich die Koreaner in den vergangenen Jahren auf dem Wachstumsmarkt stark positioniert. Ende des Jahrzehnts sollen weltweit 1,9 Millionen E-Autos der Marke pro Jahr verkauft werden. In Europa soll das Angebot des Gesamtkonzerns ab Mitte des kommenden Jahrzehnts komplett elektrisch sein. Wichtige kommende Modelle: Ioniq 6 (Mittelklasselimousine, Ende 2022), Ioniq 7 (SUV der gehobenen Mittelklasse, 2024).

Kia: Gemeinsam mit der Schwestermarke Hyundai hat sich auch Kia zu einem der größten E-Auto-Anbieter in Europa entwickelt. Spezialität sind einerseits zugängliche Modelle wie der kleine Crossover e-Niro, andererseits Hightech-Stromer wie der EV6. Auch für Kia gilt die Konzern-Ankündigung, bis Mitte des kommenden Jahrzehnts komplett elektrisch sein zu wollen. Wichtige kommende Modelle: Kia e-Niro (Mini-SUV, 2022), Kia EV9 (SUV, 2023).

Mazda: Als im globalen Vergleich kleiner Hersteller müssen die Japaner sich ordentlich strecken, um in Europa nicht den Anschluss an die E-Mobilisierung zu verpassen. Neben dem stylischen, aber reichweitenschwachen MX-30 müssen also noch diverse weitere Modelle kommen. Welche das sein könnten, ist aber noch weitgehend unklar. Zuletzt hatten britische Medien von drei neuen Modellen bis 2025 berichtet. Wichtige kommende Modelle: Mazda MX-30 mit Range Extender (Mini-SUV, 2022).

Mercedes: Eher vorsichtig

Mercedes: Die Schwaben zählen zu den eher vorsichtigen Herstellern, was das öffentliche Formulieren von E-Autozielen angeht. Klar postuliert ist bislang nur die Absicht, ab 2025 mehr als die Hälfte des Europa-Absatzes mit E-Autos und Plug-in-Hybriden zu bestreiten. Darüber hinaus will man sich mit dem Antriebsmix künftig flexibel an die Marktgegebenheiten anpassen, wobei der Fokus auf E-Mobilität liegen soll. Das Modellangebot wächst aktuell schnell, sowohl in den Volumensegmenten als auch im Luxus-Bereich. Wichtige kommende Modelle: Mercedes EQE SUC (Oberklasse-SUV, 2023), Mercedes EQG (Geländewagen, 2024).

E-Auto-Pläne

Der Mercedes-Benz EQE kommt im kommenden Jahr auf den Markt. Foto: Mercedes

Mini: Als Marke für lifestyle-orientierte und solvente Städter ist die BMW-Tochter eigentlich prädestiniert für den E-Antrieb. Trotzdem ist man, was öffentliche Ankündigungen zum Verbrenner-Ausstieg angeht, noch zurückhaltend. „Power of Choice“ nennen die Briten die Strategie, der Kundschaft zumindest bis 2030 die Wahl zwischen unterschiedlichen Antriebsoptionen zu lassen. Trotzdem sind zahlreiche Stromer geplant, die teils in Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Great Wall gebaut werden. Wichtige kommende Modelle: Mini Dreitürer (Kleinwagen, 2023), Mini Countryman (2023).

Mitsubishi: In Europa will die japanische Marke vor allem auf ihre Allianz mit Renault-Nissan bauen, eigene E-Auto-Ziele formuliert sie bislang nicht. Welche Modelle übernommen und unter eigenem Logo angeboten werden sollen, wird aktuell noch verhandelt. Zur Wahl steht unter anderem ein Ableger des künftigen E-Kleinwagens Renault 5 als auch ein Modell auf Basis des Renault Mégane E-Tech.

Nissan: Guter Start, dann nichts

Nissan: Nach dem Leaf kam lange nichts: Die Japaner teilen mit anderen E-Auto-Vorreitern das Schicksal, dass man nach gutem Start an Tempo verlor. Einen genauen Zeitpunkt für den Wandel zur E-Marke nennt Nissan bislang nicht, die Marke dürfte sich in Europa jedoch an Allianzpartner Renault orientieren, der 2030 als Zeitpunkt für den Verbrenner-Ausstieg nennt. Wichtige kommende Modelle: Nissan Ariya (Mittelklasse-SUV, 2022), Nissan Micra (Kleinwagen, 2024).

Opel: Der multinationale Stellantis-Konzern setzt in Europa konsequent auf E-Mobilität. Vorreitern unter den Volumenmarken ist dabei Tochter Opel, die bereits 2028 rein elektrisch sein soll. Zwei Jahre vor Peugeot und Fiat. Schneller geht es nur bei den exklusiveren Anbietern DS (2024) und Lancia (2026). Die flexible, modulare Technik stammt dabei in allen Fällen aus dem gleichen Pool. Wichtige kommende Modelle: Opel Astra-e (Kompaktlimousine, 2023), Opel Manta (Crossover, 2025).

Peugeot: Im Vergleich zu Schwester Opel geht Peugeot den Umbau zur E-Automarke etwas vorsichtiger an, was wohl auch aus Rücksicht auf die preissensiblen Märkte in Südeuropa geschieht. Trotzdem soll ab 2030 auf dem Kontinent kein Verbrenner der Marke mehr verkauft werden. Wie auch die übrigen Stellantis-Marken soll Peugeot bei dem schnellen und konsequenten Umbau von der Größe des Mutterkonzerns profitieren. Wichtige kommende Modelle: Peugeot e-308 (Kompaktlimousine, 2023), Peugeot e-3008 (Kompakt-SUV, 2023).

Porsche: Der Boxer lebt (weiter)

Renault

Wurde dieser Tage präsentiert: Renault Mégan E-Tech. Foto: Renault

Porsche: Trotz einer beeindruckenden Verbrenner-Tradition verweigert sich Porsche der neuen Antriebstechnik nicht und baut sie als erster großer Sportwagenhersteller konsequent in seine Zukunftsstrategie ein. Neben Limousine und SUV wird es auch schon bald Batterie-Sportwagen der Marke geben. Der Boxermotor wird aber zunächst nicht fallengelassen: Für 2030 ist ein Verbrenner-Anteil von knapp 20 Prozent vorgesehen. Der Rest sollen E-Autos und Plug-in-Hybride sein. Wichtige kommende Modelle: Porsche Macan E (Mittelklasse-SUV, 2023), Porsche Panamera E (Oberklasselimousine, 2024/2025).

Renault: Mit dem Kleinwagen Zoe haben die Franzosen über Jahre immer wieder das beliebteste E-Auto in Deutschland und Europa gestellt. Seit kurzem ist mit dem Mégane E-Tech Electric ein weiteres Volumenmodell mit großem Absatzpotenzial an Bord. Entsprechend optimistisch sind die Pläne der Marke, die als Komplettanbieter sämtliche Pkw-Segmente abdecken will: Bis 2030 sollen alle Autos in Europa rein batteriebetrieben sein. Wichtige kommende Modelle: Renault Grand Scénic (Familien-Crossover, 2023), Renault 5 (Kleinwagen, 2024).

Seat/Cupra: Von der E-Mobilitätsoffensive im VW-Konzern profitiert die Marke Seat bislang nicht. Stattdessen erhält der sportliche Ableger Cupra exklusiven Zugriff auf den Stromer-Baukasten und wird bis 2030 zum reinen E-Anbieter. Für die Marke Seat bleibt möglicherweise nur noch die Rolle als Abverkäufer von Verbrenner-Pkw. Wichtige kommende Modelle: Cupra Tavascan (Crossover, 2024), Cupra Urban Rebel (Kleinwagen, 2025).

Skoda: Schwierige Situation

Skoda: Unter den großen Pkw-Marken im Volkswagenkonzern zählt Skoda zu den vorsichtigeren Vertretern. Bis Ende des Jahrzehnts soll der E-Anteil der Tschechen in Europa lediglich 50 bis 70 Prozent betragen. Die Vorsicht dürfte vor allem von der schwierigen Situation des E-Mobilität in Ost- und Südeuropa herrühren, wo Skoda besonders populär ist. Wichtige kommende Modelle: Skoda Elroq (Mini-Crossover, 2024).

E-Auto-Pläne

Gerade gestartet: Toyota Bz4X. Foto: Toyota

Suzuki: Für die Japaner ist der Umstieg auf E-Mobilität in Europa eine große Herausforderung. Bereits heute muss die Marke auf Hybrid-Antriebe von Kooperationspartner Toyota zurückgreifen, um die CO2-Vorgaben der EU zu erfüllen. Möglich, dass die Zusammenarbeit auch auf E-Mobile ausgeweitet wird. E-Auto-Ziele formuliert der Hersteller nicht, immerhin ist für 2025 ein erster Stromer angekündigt.

Toyota: Lange Zeit zog Toyota die Wasserstoff-Brennstoffzelle der Batterie vor. Eine Exotenposition, die der Weltmarktführer jedoch mittlerweile modifiziert hat – künftig sollen auch normale Akku-Stromer das Portfolio CO2-neutral machen. Bis 2030 soll jeder zweite Neuwagen der Marke in Europa elektrisch fahren, ab 2035 dann jeder. Wichtige kommende Modelle: Toyota bZ Small Crossover (Mini-SUV, 2025).

Volvo: Konsequent elektrisch

Volvo: Bei der Elektrifizierung haben sich die Schweden früher als jeder andere große Autohersteller aus dem Fenster gelehnt. Schon 2015 kündigten die Schweden eine E-Offensive an, vor gut einem Jahr legten sie sich auf 2030 als Enddatum für die Verwandlung zur reinen E-Marke fest. Unter den großen europäischen Premiumherstellern ist niemand ehrgeiziger. Wichtige kommende Modelle: Volvo Concept Recharge (Crossover, 2023), Volvo XC20/XC30 (Mini-Crossover, 2023).

VW: Die Marke VW zählt in Europa zu den Vorreitern der E-Mobilität. Eine eigentlich ungewohnte Rolle für die Wolfsburger, die zuvor meist erfolgreich auf bereits etablierte Trends setzten. Ganz will man sich der neuen Antriebstechnik aber zunächst noch nicht verschreiben – für 2030 ist ein E-Anteil von 70 Prozent angekündigt, erst 2035 soll die Umstellung komplett erfolgt sein. Wichtige kommende Modelle: ID. Buzz (Bus/Großraumlimousine, Ende 2022), ID. 7 (Mittelklasselimousine, 2023). SP-X

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