MG EHS

Test-Tagebuch: MG EHS Plug-in-Hybrid

Im Testzeitraum von 14 Tagen fallen uns an einem Auto viele Kleinigkeiten auf. Das Test-Tagebuch fasst diese zusammen. Der Kandidat: MG EHS.

MG? Da war doch mal was! Genau: MG war einst eine ur-britische Marke, die kleine Roadster baute und deren Markenrechte im Laufe der Jahre an die chinesische Firma SAIC übergingen. Nun rollen unter dem MG-Logo elektrifizierte Geländewagen nach Europa – und seit etwa einem Jahr auch nach Deutschland. Dabei handelt es sich bislang um den rein elektrischen MG ZS EV, den Marvel R sowie den Plug-in-Hybriden EHS, der sich nun in der Redaktion in der Ausstattungsvariante Luxury vorstellt.

Der EHS ist ein Fahrzeug, das gegen Konkurrenten wie den VW Tiguan bestehen soll. Wie das gehen soll? Nun, der EHS ist ein paar Zentimeter länger als der Tiguan und deutlich besser ausgestattet, kostet aber ein gutes Drittel weniger als der Plug-in-Hybrid aus Wolfsburg. Wo ist da der Haken?

4.1.2022: Unser Rendezvous mit dem MG EHS geht heute zu Ende. Es war eine spannende Zeit, die wir in den kommenden Tagen in einem Artikel auf www.dmt-puls.de nochmal zusammenfassen. Auf der einen Seite hat der Plug-in-Hybrid uns positiv überrascht mit seinem Preis-/Leistungsverhältnis, der Materialqualität, dem Ambiente und der elektrischen Reichweite. Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Kleinigkeiten, die störten und die MG beim nächsten Facelift beheben sollte, wie etwa das Surren beim langsamen Fahren im E-Modus oder das unharmonische Getriebe. Zuletzt ist uns noch aufgefallen, dass die (elektrische) Heckklappe nicht sehr weit nach oben schwenkt und große Menschen Gefahr laufen anzustoßen.

Auf jeden Fall ist MG eine spannende Marke und bereichert den deutschen Automarkt.

2.1.2022: Eine Besonderheit des MG EHS ist das Getriebe, das heißt, es müsste die Getriebe heißen. Denn der 1,5-Liter-Benziner ist mit einem Sechs-Gang-Getriebe gekoppelt, und der Elektromotor mit einem mit vier Stufen. Wow. Nach Adam Riese sind das zehn Gänge, die ein harmonisches Vorankommen versprechen. In der Praxis klappt das nicht ganz so gut wie erhofft. Zwar schaltet sich der Benziner kaum merklich zu, doch die Gangwechsel spürt man recht deutlich. Bisweilen gibt es dabei eine Zugkraftunterbrechung, die zwar nicht groß stört, aber dennoch spürbar ist. Am deutlichsten fällt diese im Elektromodus (EV) aus, wenn bei etwa 80 km/h eine Schaltpause von etwa einer Sekunde einsetzt, die die Zugkraft spürbar unterbricht. Am meisten gestört haben wir uns im Elektromodus aber an einem deutlich vernehmbaren Surren unterhalb von 20 km/h.

Ach ja, der Vollständigkeit halber sei die Motorisierung erwähnt: Der Turbo-Benziner leistet 119 kW/162 PS, der Elektromotor 90 kW/122 PS. Die Systemleistung liegt also bei 190 kW/258 PS mit einem Spitzendrehmoment von 370 Nm.

MG EHS30.12.2021: Der MG EHS ist mit seinen Stromreserven recht geizig. Nach gut 100 Kilometern im Hybrid-Betrieb steht immer noch Strom für 36 Restkilometer (von 52) parat. Dabei waren wir nicht nur auf der Autobahn, sondern auch auf Landstraße und in der Stadt unterwegs. Als Verbrauchswerte weist der Bordcomputer 7,4 Liter Benzin und 3,2 Kilowattstunden aus. Will man den elektrischen Anteil erhöhen – und das sollte man bei einem Plug-in-Hybriden auf jeden Fall -, muss man die EV-Taste bemühen. Wir sind gespannt wie weit wir mit der Akkuladung im Hybridmodus noch kommen.

Da der Bildschirm auf Berührungen etwas verzögert reagiert, gelingt die Eingabe eines Reiseziels nicht gerade blitzartig, was es umso ärgerlicher macht, dass der Sprachassistent seine Mitarbeit komplett verweigert. Dies ändert sich auch dadurch nicht, dass die Elektronik beim nächsten Start wieder hochgefahren wird. Wir werden es weiter versuchen.

MG EHS29.12.2021: Auf den letzten Metern des Jahres haben wir die Verbräuche des MG EHS ermittelt. Wie erwähnt schafft er rein elektrisch die in den technischen Daten genannten 52 Kilometer. Spannender ist aber, wie viel Sprit sich ein Plug-in-Hybrid genehmigt, wenn der Akku leer ist; also der Benziner die Arbeit allein leisten und die 1.775 Kilogramm Leergewicht bewegen muss. Auf unseren gemischten und nicht übertrieben flott absolvierten 200 Kilometern schluckte er 8,6 Liter auf 100 Kilometer. Nach (leichten) Bergab-Abschnitten hatte sich der Akku um 2 bis 4 Prozent geladen und half dann ein wenig mit, wenn es wieder flach wurde. Wurde der EHS ein wenig gescheucht, dann kletterte der Verbrauch auch über die 9-Liter Grenze.

Akku für spätere Stadtfahrten sparen kann man übrigens nicht, denn diese Funktion ist nicht vorgesehen. Man kann lediglich per Taste auf Elektro-Modus umschalten.

27.12.2021: Es sind ein paar große Kleinigkeiten, die das Gesamtbild des MG mittlerweile etwas trüben. Das Display lässt sich nur sehr umständlich bedienen, die Adresseingabe im Navi ist eine Qual und bei Bewegungen des Autos selbst für den Beifahrer kaum möglich. Mit 1,90m Körpergröße stößt man als Fahrer oder Beifahrer an der Decke an, denn der Sitz ist nicht weiter nach unten zu stellen. Umso mehr Platz gibt es dafür auf der Rückbank. Hier kann ein Mitfahrer selbst mit über zwei Metern Körpergröße ganz entspannt sitzen, es ist sogar noch Luft nach vorne und nach oben.

Beim Öffnen der Türen gibt es ebenfalls eine Kleinigkeit, die richtig nervig werden kann: Drückt man beim Öffnen der Tür den kleinen silbernen Schließknopf an der Klinke versehentlich mit dem Daumen – was gerade in Eile schnell passiert – blockiert die Tür und der Wagen startet ein Hup- und Lichtkonzert. Der Alarm lässt sich mit Drücken des Unlock-Knopfes am Schlüssel dann aber sofort abstellen.

MG_EHS_523.12.2021: Schande über uns. Im ersten Tagebuch-Eintrag sind uns gleich zwei Fehler unterlaufen, die wir mittlerweile korrigiert haben. Zum einen ist der EHS nach wie vor förderfähig. Zwar schafft er „nur“ 52 Kilometer rein elektrisch, doch mit einem CO2-Ausstoß von 43 Gramm je Km bleibt er unter der 50-Gramm-Grenze – und damit in der Förderung. Zum anderen beträgt der Brutto-Preis für den EHS 37.490 Euro; die in der MG-Preisliste genannten 34.812,50 Euro beinhalten schon den Herstelleranteil an der Innovationsprämie, so das als Preis nach Abzug dieser ein Betrag von 30.312,50 Euro bleibt.

Apropos 52 Kilometer elektrische Reichweite: Auf unserer ersten Testfahrt hat er diese tatsächlich gemeistert – trotz der kühlen Temperaturen. Zwar half auf den ersten beiden Kilometern der Verbrenner ein wenig mit, damit es ein wenig warm wurde, doch auf den restlichen 50 Kilometern arbeitete nur noch die Batterie. Chapeau!

MG EHS

Das Heck erinnert ein wenig an die SUVs von Mercedes. Foto: Mag

22.12.2021: Oft hört man im Freundeskreis ein „Ja, aber“, wenn man von einem chinesischen Auto erzählt. Die Zweifel betreffen dann Dinge wie Qualität, Sicherheit, Service, Garantie oder Händlernetz, und im Hinterkopf erinnert man sich an die ersten Gehversuche von Brilliance und Co. auf dem deutschen Markt, die so kläglich scheiterten. Bevor wir diese für den MG EHS klären, ein Gedanke vorweg: Autos werden mittlerweile in der ganzen Welt gefertigt, auch die von deutschen Marken – wie etwa der Stromer BMW iX3, der in China vom Band rollt.

Also werfen wir einen genaueren Blick auf die einzelnen Punkte. In Sachen Sicherheit hat der MG EHS von EuroNCAP die Höchstnote von fünf Sternen bekommen. Außerdem gibt MG als Vertrauensbeweis in sein Produkt eine Fahrzeuggarantie von sieben Jahren oder 150.000 Kilometern; gleiches gilt für die Hochvoltkomponenten inklusive Batterie. Inklusive ist zudem eine kostenlose Pannenhilfe im ersten Jahr, und wenn der Service bei einem MG-Händler abgewickelt wird, kann sie auf bis zu 7 Jahre ausgedehnt werden. Die Wartungsintervalle des EGS liegen bei 1 Jahr oder 24.000 Kilometer, jer nachdem, was zuerst eintrifft. Und über die Qualität werden wir in den nächsten Einträgen berichten. Und das Händlernetz? MG hat mittlerweile ein Netz in ganz Deutschland geknüpft und hat auf der Homepage eine Händlersuche.

21.12.2021: Und so setzen wir uns gespannt in den MG, immer auf der Suche nach Fehlendem oder Nicht-Funktionalem. Und werden zunächst nicht fündig. Das Innere gibt sich aufgeräumt, angenehm. Die Sitze lassen sich elektrisch verstellen, Materialien und Haptik stimmen. Das zentrale Display hinter dem Lenkrad strotzt nur so von Informationen und ist übersichtlich gestaltet. Weiter rechts thront ein 10,1 Zoll großer Monitor als zentrale Bedienstelle. Darunter sind einige Tasten platziert für zentrale Befehle – unter anderem, um zum Home-Bildschirm zurückzukehren. Das alles macht einen hochwertigen Eindruck und wird für 37.490 Euro brutto angeboten. Zudem ist der EHS auch im kommenden Jahr noch förderfähig, obwohl seine 16,6 kWh große Batterie nach WLTP „nur“ 52 Kilometer schafft. Aber er unterschreitet die Emissionsmarke von 50 Gramm CO2 je Kilometer und qualitifziert sich darüber für die Innovationsprämie, so dass unter dem Strich ein Endpreis von 30.312,50 Euro steht.

MG EHS

Der fahrerplatz im MG EHS Plug-in-Hybrid: übersichtlich und gut bedienbar. Foto: MG

Für unter 30.000 Euro gibt es also ein 4,57 Meter langes SUV mit Platz für fünf Personen und einem Laderaum von 448 bis 1.375 Liter. Sogar eine elektrische Heckklappe ist im Paket Luxury inbegriffen. Das kann sich sehen lassen. Es wird also spannend in den nächsten Tagen: Gibt es Schwachpunkte? Und wie wird der Verbrauch ausfallen?

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